Sport : Drei plus eins

-

Benedikt Voigt über Deutschlands vierten WMTitel im Fußball

Zumindest bei Carsten Flügel kannte die Begeisterung keine Grenzen. „Deutschland ist wieder Weltmeister“, rief der ARD-Kommentator um kurz nach 21 Uhr am Sonntag in sein Mikrofon. Wer das nicht glauben wollte, bekam es präziser. Flügel sagte: „Nach 13 Jahren ist Deutschland wieder Weltmeister.“ Leider stimmt das nicht.

Es ist einfach zu vermessen, den ersten Weltmeistertitel der Fußball-Frauen auf die gleiche Stufe stellen zu wollen mit den drei Weltmeistertiteln der Fußball-Männer. Wo waren die Jubelfeiern und Autokorsos deutscher Fußballfans in München, Berlin und Hamburg? In den Vereinsheimen des 1. FFC Frankfurt oder bei Turbine Potsdam wurde gefeiert. Aber sonst? Auch ist zu bezweifeln, dass jemals ein Kinofilm mit dem Titel „Das Wunder von Carson“ über die Mannschaft von Bundestrainerin Tina Theune-Meyer gedreht werden wird. Und falls die deutsche Wirtschaft und das deutsche Selbstbewusstsein in den nächsten Jahren neue Höhen erklimmen, werden Analysten viele Ursachen finden. Aber das 2:1 deutscher Fußballerinnen über Schweden wird nicht dazu gehören.

Damit dies nicht falsch verstanden wird: Es ist unglaublich viel Positives passiert für den Frauenfußball in den letzten Wochen. 13,58 Millionen Fernsehzuschauer sahen live Nia Künzers Golden Goal. Im Durchschnitt lag das Frauen-Endspiel am Sonntag in der ARD mit 10,37 Millionen Zusehern sogar knapp über dem entscheidenden Qualifikationsspiel der Männer am Samstag im ZDF (10,36 Millionen). Das zeigt, dass der Frauenfußball seinen Platz bei den Sportinteressierten gefunden hat. Sicher werden nun die Weltmeisterinnen bei der Wahl der Mannschaft des Jahres ganz weit vorn liegen. Der Innenminister Otto Schily sagt: „Die Namen der Spielerinnen wie Birgit Prinz oder Maren Meinert haben sich eingeprägt.“

Die neue Popularität erklärt sich aus drei Faktoren. So traf großer sportlicher Erfolg auf Deutschlands Sportart Nummer eins: Fußball. Auf jene Sportart also, in der auch A-Juniorenspiele vor Jahren im DSF ungewöhnlich hohe Quoten erzielten. Ergänzt wird das noch durch die politische Korrektheit. Wer nicht als rückständiger Macho beschimpft werden will, sollte Frauenfußball gut finden. Oder zumindest nicht schlechter als Männerfußball. Weshalb beispielsweise die „Bild“-Zeitung prompt jede Spielerin mit einem prominenten Spieler gleichstellte.

Das richtige Signal aber sendet der Deutsche Fußball-Bund: Demnächst sollen die deutschen Frauen nicht mehr mit drei Sternen auf dem Trikot spielen, welche die WM-Titel der Männer symbolisieren. Sondern mit einem Stern – für den Titelgewinn von Carson. Genau so sollte der Frauenfußball nach seinem ersten WM-Titel auch sein: selbstbewusst und eigenständig.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben