Sport : Drei Punkte und ein Rekord

Deutschland schlägt Österreich in der WM-Qualifikation 3:0 – Klose schießt sein 68. Länderspieltor.

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Das Tor zum Jubiläum. Miroslav Klose feiert seinen Treffer, Thomas Müller (r.) ist erster Gratulant vor Marco Reus (l.). Foto: Reuters
Das Tor zum Jubiläum. Miroslav Klose feiert seinen Treffer, Thomas Müller (r.) ist erster Gratulant vor Marco Reus (l.). Foto:...Foto: REUTERS

Auch wenn es Uli Hoeneß nicht gern hören mag, das Münchner Stadion seines FC Bayern gehört noch nicht zu den großen Häusern des Weltfußballs, die den Untertitel legendär tragen dürfen. Dazu fehlen der wirklich hübsch ausgeleuchteten Arena noch die ganz großen Spiele, die heroischen Schlachten. Auch wenn das WM-Qualifikationsspiel von gestern Abend gegen Österreich durchaus unterhaltsam war, so war es kein glanzvolles Spiel. Die wichtigsten Botschaften des Abends von München lauteten: Die deutsche Fußballnationalmannschaft gewann vor 68 000 Zuschauern (davon gut 15 000 Österreicher) mit 3:0 (1:0). Und so bleibt Deutschland für Österreich seit 1978, seit Cordoba, in einem Pflichtspiel unbezwungen. Und Miroslav Klose hat in der ewigen Torschützenliste der Nationalmannschaft den Rekord von Gerd Müller egalisiert.

Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw baut damit ihre Tabellenführung in der WM-Qualifikationsgruppe C auf einen souveränen Vorsprung aus. Schweden ist nach dem gestrigen 2:1-Erfolg in Irland nun Zweiter mit fünf Punkten Rückstand auf die Deutschen, Österreich rutschte auf Rang drei ab. Für die Mannschaft von Joachim Löws Kollegen Marcel Koller aber brechen Zeiten des Zitterns an, soll am Ende doch noch Platz zwei in der Gruppe herausspringen. Der würde dann die Teilnahme an den Play-offs im November nach sich ziehen. Das Potenzial dazu steckt in der österreichischen Mannschaft. Seit der Schweizer Marcel Koller das Team übernommen hat, ist eine klare, gute Linie zu erkennen.

Gestern gelang der deutschen Mannschaft nach zuletzt fast schon chaotischen Zuständen in der Defensive eine deutliche Leistungssteigerung, was auch an der Hereinnahme des Münchners Jerome Boateng lag. Der spielte anstatt des Dortmunder Mats Hummels in der Innenverteidigung neben einem wieder erstarkten Per Mertesacker. Im zentralen Mittelfeld ersetzte Toni Kroos den verletzten Ilkay Gündogan (Dortmund). Auch diese Umstellung sollte sich zu Gunsten einer besseren Balance und Ballsicherheit auszahlen.

Man merkte der deutschen Mannschaft an, dass sie zunächst sehr um Stabilität bemüht war. Nach vorn sah vieles ein wenig gedämpft aus, Mesut Özil und Marco Reus waren in ihren Aktionen oft nicht zwingend genug. Aber dafür gelang es der deutschen Mannschaft, die in den vergangenen drei Spielen neun Gegentore zuließ, wieder kompakter zu agieren. Die Spieler wirkten defensiv wachsamer und präsenter.

Nach einer halben Stunde vollbrachte dann zumindest Miroslav Klose etwas Historisches. Der 35-Jährige erzielte nach einem direkten Zuspiel von Thomas Müller in seinem 129. Länderspiel sein 68. Tor. 325 Tage genau hatte der Stürmer von Lazio Rom auf dieses Erlebnis warten müssen. Zuletzt hatte er im Herbst 2012 in Berlin gegen Schweden seine Tore Nummer 66 und 67 erzielt. Egal und vorbei: Der „ewige“ Klose egalisierte nun also den Uraltrekord Gerd Müllers. Fairerweise sei erwähnt, dass der „Bomber der Nation“ aus München dafür nur halb so viele Länderspiele benötigte.

Kurz zuvor hatte Klose schon eine gute Chance gehabt. Nach einem wunderschönem Steilpass von Özil auf Reus, dessen Schuss pariert wurde und zurück ins Feld sprang, kam Klose noch zum Kopfball. Doch mit einer Glanztat rettete Österreichs Torwart Robert Almer und klärte zur Ecke.

Noch in der Halbzeitpause musste Löw seine Hintermannschaft umbauen. Marcel Schmelzer blieb verletzt in der Kabine, für den Dortmunder übernahm der Schalker Benedikt Höwedes die Rolle als linker Außenverteidiger. Dieser war noch gar nicht richtig im Spiel, da erzielte Toni Kroos mit einem sehenswerten Distanzschuss das 2:0. Marko Reus hatte dem 23 Jahre alten Münchner in dessen 36. Länderspiel gut aufgelegt.

Das Spiel hatte an Intensität gewonnen, denn auch die Österreicher gaben sich längst nicht geschlagen. Immer wieder versuchten sie nach Ballgewinnen nadelstichartige Konter zu fahren. Meist aber waren Boateng und Mertesacker zur Stelle und unterbanden Schlimmeres. Und wenn eben einmal nicht, war Manuel Neuer da, der in der 70. Spielminute reflexartig reagierte.

Auf der Gegenseite prüfte Thomas Müller aus 16 Metern Entfernung Österreichs Torwart. Kurz vor Schluss erzielte der Münchner schließlich doch noch das 3:0 nach der schönsten Kombination des Abends über Kroos und Höwedes.

Insgesamt wäre auch ein höheres Ergebnis möglich gewesen, aber gelegentlich übertrieben es die Löw’schen Kreativen mit ihren Ideen, allen vor Reus und Özil. Aber das wird der Bundestrainer verschmerzen können, angesichts der Null, die nun wieder hinten steht.

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