Sport : Drei Stars auf den Plätzen 8, 9 und 14

ERNST PODESWA

BUDAPEST.Gelbhemden waren am Abend nach der Zehnkampf-Entscheidung in den deutschen EM-Klub eingefallen.Auf dem Rücken war etwas von einem Fanclub VfB Salzkotten aufgedruckt.Das genügte, um die strengen Einlaßkontrollen zu passieren.Zehnkampf ist eine heilige Sache zwischen Rhein und Oder.Und Salzkotten ist die Heimat von Klaus Isekenmeier, dem Hoffnungsträger der nationalen Mehrkampf-Glaubensgemeinschaft.Jener war von Bundestrainer Claus Marek vorher als "einer von drei aktuellen deutschen Stars" verkauft worden.In den Klub kehrte der 23jährige als Neunter zurück.Polizist Mike Maczey (Zehnkampf-Welle Schleswig-Holstein) nutzte die Welle und schob sich mit Hausrekord von 8174 Punkten davor auf Rang acht.Stefan Schmid (Karlstad) wurde 14.

Raffiniert, wie Marek aus den individuell durchaus respektablen Einzelleistungen einen Teamerfolg zusammenrechnete: "Wir liegen im Schnitt mit 8108 Punkten nur knapp hinter den Ungarn." Vom siegenden Esten Erki Nool (8667) oder dem zweitplazierten Finnen Eduard Hämälainen (8587) war keine Rede.Von dieser Leistungsebene war das "Star-Trio" mit dem Bundesadler auf der Brust fast zwei Stufen entfernt.Auch von jenen Gefilden, in denen sich in der Marek-Ära Christian Schenk 1991, Paul Meier 1993 (jeweils WM-Dritte) und Frank Busemann 1996/97 (Olympiazweiter/WM-Dritter) tummelten.Gar nicht zu denken an die EM 1966, als die Deutschen aus West und Ost mit dem Riegenführer Werner von Moltke die Plätze eins bis vier besetzten.

Der Bundestrainer, ein begnadeter Verkäufer seines Produkts, der immer positiv denkt und vor allem spricht, hat allerdings ein kaum zu entkräftendes Argument: "Wenn Frank Busemann nicht 1996, sondern jetzt voll in den Mehrkampf eingestiegen wäre, hätten wir den Europameister." Busemann macht aber in Budapest Rhetorikübungen bei der ARD, weil sein Körper beim Crashkurs für Atlanta vom spillerigen Hürdensprinter zum muskulösen Zehnkampf-Gladiator ein paar Blessuren erlitt: Hüfte, Wirbelsäule.Er muß sich Therapien unterziehen, seinen Laufstil umstellen und will möglicherweise auf die WM 1999 in Sevilla verzichten.

Paul Meier hat praktisch seit 1993 keine Galavorstellung mehr liefern können, startet aber nach etlichen Operationen in wenigen Tagen einen Comeback-Versuch in Vaterstetten.Zufall oder Fehler in der Vorbereitung auf den (allzu) raschen Aufstieg? Dazu Willi Holdorf, Zehnkampf-Olympiasieger 1964: "Die beiden Ausfälle lassen sich nicht miteinander vergleichen.Bei Busemann gibt es angeborene Defizite im Bewegungsapparat und mittlerweile beseitigte schädigende Technik im Hürdenlauf.Meier war wohl körperlich nicht so gut vorbereitet und hat sich einfach mit der Zweifachbelastung von Studium und Training übernommen."

Erhebliche gesundheitliche Probleme scheinen gerade im Mehrkampf unausweichlich, denn auch Isekenmeier (Rücken) und Schmid (Fersen) müssen im Training aussetzen, auslassen oder reduzieren.Heinz Birnesser begleitet die deutschen Zehnkämpfer mit kleinen Unterbrechungen seit 1975 als Teamarzt.Sein Urteil: "Körperliche Schwachstellen hat jeder - muskulär, organisch oder im Bewegungsgapparat.Also muß man Pflege betreiben, Therapie, Prophylaxe.Doch die jungen Burschen reagieren mitunter erst auf Signale des Körpers oder auf Ratschläge, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.Und die Gefahr, nicht zu hören, ist um so größer, je mehr Geld im Spiel ist." Bei Busemanns Hüfte sei er zuversichtlich, alles sei in den Griff zu bekommen.Adler und Rrrrubenbauer müssen also bei der ARD noch ein bisserl weitermachen.

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