Sport : Drei Tore gegen die Krise

Hertha BSC gewinnt 3:0 bei Werder Bremen – auch Marcelinho rehabilitiert sich mit einem Treffer

Mathias Klappenbach[Bremen]

Zwei Minuten nach seinem Tor kniete Marcelinho am Mittelkreis nieder und zeigte mit beiden Armen in den Himmel. Der Brasilianer hatte mit dem zweiten Treffer für Hertha BSC eine Viertelstunde vor dem Ende gerade ein Spiel entschieden, mit dessen Ausgang kaum einer gerechnet hatte. Nach dreizehn Pflichtspielen ohne Sieg gewann Hertha gestern 3:0 (0:0) bei Werder Bremen. „Wir mussten alle in den vergangenen Wochen viel Kritik einstecken, Vorstand, Trainer und Mannschaft“, sagte Mannschaftskapitän Arne Friedrich. „Dem haben wir standgehalten – und heute sind wir alle zufrieden.“

Mehr als zufrieden war Marcelinho, als er nach dem Jubel über sein Tor – an dem nur fünf Herthaner teilgenommen hatten – zurück zum Wiederanstoß trabte. Auf diesen Metern muss ihm klar geworden sein, dass sein Treffer auch für ihn persönlich eine so große Bedeutung hat, dass ein Kniefall angemessen war. Vor dem Spiel hatte Herthas Trainer Falko Götz laut darüber nachgedacht, den seit vielen Wochen formschwachen Brasilianer auf die Bank zu setzen, und nach drei Minuten schien es so, als ob er das auch besser getan hätte. Marko Pantelic konnte frei auf das Tor der Bremer zulaufen, weil deren Abseitsfalle nicht funktioniert hatte, und legte den Ball quer zu Marcelinho. Doch statt freistehend aus fünf Metern die Führung für die Berliner zu erzielen, schoss Marcelinho an den Pfosten. Als danach Pantelic zweimal frei vor Tim Wiese scheiterte und Marcelinho einen möglichen Elfmeter nicht bekam, nachdem er über Wiese gefallen war, sah es für kurze Zeit so aus, als ob die Bremer Druck auf das Tor der Berliner entwickeln würden.

Direkt nach der Pause hämmerte Ivan Klasnic den Ball aus 25 Metern Entfernung an die Unterkante der Latte und Miroslav Klose staubte zur vermeintlichen Führung für Werder ab. Klose hatte aber im Abseits gestanden. Es blieb die beste Chance der Bremer – der Favorit präsentierte sich vier Tage nach dem unglücklichen Ausscheiden in der Champions League ausgelaugt und ideenlos. „Kompliment an Hertha, sie haben wahnsinnig aggressiv gespielt und uns nicht ins Spiel kommen lassen“ sagte Bremens Nationalspieler Patrick Owomoyela.

Hertha spielte gut, Bremen schlecht, und so fielen in der zweiten Halbzeit die verdienten Tore für die Berliner. Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, wann Hertha eine der vielen Großchancen, die sich wegen der katastrophalen Abseitsfalle der Gastgeber ergaben, zur Führung nutzen würde. Doch dem Kopfballtreffer von Kevin-Prince Boateng zehn Minuten nach der Pause gingen ein Freistoß von Marcelinho und ein Fehler von Bremens Champions-League-geschädigten Torwart Tim Wiese voraus.

Das 2:0 fiel dann so, wie es vorherzusehen war: Sofian Chahed fing im Mittelfeld den Ball ab, lief ungehindert durch die Bremer Deckung und passte zu Marcelinho, der im Gegensatz zu seiner ersten Chance dieses Mal den Ball ins Tor schob. „Endlich ist die Serie zu Ende“, sagte Chahed, „diesen Sieg haben wir uns hart erarbeitet und erkämpft.“ Falko Götz fügte hinzu: „Wir haben unser Spielkonzept optimal umgesetzt. Wir standen hinten diszipliniert sicher und haben schnelle Konter gefahren.“ So machte es auch Yildiray Bastürk beim dritten Treffer der Berliner, als er Wiese umspielte und ins leere Tor traf. Überschwängliche Freude war den Hertha-Profis nach dem ersehnten Erfolg nicht anzumerken, sie klatschten sich ab und schienen selbst überrascht und ein bisschen betäubt zu sein. „Ich habe den Glauben an meine Mannschaft nie aufgegeben. Vor diesem Spiel haben wir gar nicht viel anders gemacht als sonst“, sagte Falko Götz.

Es schien fast so, als ob das Spiel in Bremen bis auf Marcelinhos Kniefall kein besonderes gewesen war. Etwas aber hatte sich doch geändert. „Die Zeichen stehen jetzt gut“, sagte Arne Friedrich.

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