Sport : Drei Tore vor dem Wiegen

Bayerns Manager Uli Hoeneß erlaubt der Mannschaft trotz des 3:0 in Stuttgart keine Feiertage

Oliver Trust

Stuttgart . Manager Uli Hoeneß hielt den Kalender „Giovane Elber – Familie und Fußball 2003“ unter dem Arm und grinste breit. Acht Punkte haben sie beim FC Bayern nach dem 3:0-Sieg beim VfB Stuttgart in der Tabelle nun Vorsprung vor Borussia Dortmund und dem SV Werder Bremen. „Ich freue mich, dass die Mannschaft nach dem Aus in der Champions League so reagiert“, sagte Karlheinz Rummenigge und lächelte. Es war eine emotionslose Dienstreise nach Stuttgart gewesen für die Münchner, denn das Duell gegen die Schwaben fiel zu einseitig zugunsten der Bayern aus.

„Heute haben wir zwar nicht in Weiß gespielt, aber trotzdem wie ein Ballett“, sagte Hoeneß. „Das war fast meisterlich.“ Als gelte es, einer großen Mannschaft zu einem grandiosen Sieg und irgendwie nach dem 16. Spieltag schon zur Meisterschaft zu gratulieren, standen der beglückte Manager und der erfreute Vorstandsvorsitzende Rummenigge Spalier im Kabinengang als alle auf den Bus warteten. „Wir dürfen jetzt nur nicht den Fehler machen, überheblich zu werden", sagte Hoeneß. Deshalb will er genau hinschauen, wie streng an den Feiertagen auf Disziplin geachtet wird. „Wir werden die Spieler wiegen, vorher und nachher und Weihnachtsgänse verbieten.“

Zufrieden schlichen sie in Stuttgart davon, die Münchner Spieler. Allen voran Roque Santa Cruz. Der Mann aus Paraguay hatte die Stuttgarter fast im Alleingang besiegt. Der 1:0-Führung durch Alexander Zickler (29.) ließ er mit einem Kopfball nach einem Gerber-Fehler das 2:0 folgen und schlenzte später den Ball gefühlvoll zum 3:0 ins Netz. Als das Spielgerät in der 69. Minute in die Maschen segelte, als habe es nichts anderes gewollt, war alles entschieden. Wie ein Maschine hatten sie gespielt und just das 1:0 erzielt, als die Stuttgarter drängten und zwei große Chancen durch Meißner und Amanatidis hatten, die aber Oliver Kahn im Münchner Tor glänzend parierte.

„Wir haben heute eine Chance vergeben, auf uns aufmerksam zu machen“, klagte Stuttgarts Trainer Felix Magath. Zu überhastet hatten sie ihr Aufbauspiel betrieben. Die Folge waren viele Fehlpässe und Mangel an Druck, um die Bayern in Bedrängnis zu bringen. „Wir müssen aus den vielen individuellen Fehlern lernen“, sagte Magath.

Anders als seine Vorgesetzten wollte Ottmar Hitzfeld nicht in die Jubelarien einstimmen. „Das ist noch keine Entscheidung in der Meisterschaft“, sagte der Münchner Trainer. „Der Weg dahin ist noch weit.“ Ungewohnt begeistert war Hitzfeld von seiner Abwehr. Die habe Großes geleistet. Trotzdem sind die Bayern kurz davor, den Abwehrspezialisten Demichelis von River Plate Buenos Aires zu verpflichten. Das, so sagte Hoeneß, kann noch in der Winterpause passieren. Der Manager grinste noch einmal. Nicht nur wegen der Ankündigung der Verstärkung. Schließlich hatten die Bayern in Stuttgart ihr fünftes Spiel in der Bundesliga zu null gewonnen. „Das können schöne Weihnachten werden“, meinte Hoeneß. Und dann kam endlich der Bus zur fröhlichen Heimfahrt nach München.

0 Kommentare

Neuester Kommentar