Sport : Drei Triumphe und ein Luxusproblem

Deutscher Klubhandball dominiert Europa

Erik Eggers

Kiel - Es war reichlich Bier geflossen im italienischen Lokal, in dem der THW Kiel mit 250 Freunden den ersehnten Sieg in der Handball-Champions-League feierte, und wie immer moderierte Kotrainer Klaus-Dieter Petersen das Fest nahe des Kieler Hafens. Irgendwann schaute der ehemalige Nationalspieler auf den riesigen, 16 Kilogramm schweren Silberpokal, der vor ihm auf dem Tresen stand, legte das Mikrofon weg und schraubte mit entschlossener Miene den zweiten Henkel ab. Der erste war schon auf der Party auf dem Ostseehallen-Vorplatz verloren gegangen. „So“, sagte der Europameister von 2004, „jetzt sieht der Pokal wieder gut aus“.

Drei Monate nach dem dritten deutschen WM-Titelgewinn machten zwei andere Klubs den Triumph des deutschen Klubhandballs in den beiden anderen europäischen Wettbewerben perfekt. „Diese Mannschaft hat die Herzen von Hunderttausenden Hamburgern erobert“, sagte Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust, als er am Montag den HSV Hamburg im Rathaus empfing. Am Abend zuvor hatte der HSV beim spanischen Spitzenklub Ademar Léon den Europapokal der Pokalsieger gewonnen. Der SC Magdeburg gewann den EHF-Pokal gegen Aragon Saragossa. Noch nie hatten deutsche Klubs alle Wettbewerbe für sich entscheiden können. Eine derartige Dominanz hatte es zuletzt 1994 und 1995 gegeben, als spanische Klubs alle drei Pokale gewannen.

Gründe gibt es viele, warum die Klubs der Deutschen Handball-Bundesliga (HBL) die Konkurrenz beherrschen. Nirgendwo gehen so viele Zuschauer zum Handball, ist die Atmosphäre so intensiv wie in den modernen deutschen Hallen. Einzigartig war schon der Zuspruch und die Begeisterung während der WM. In der Kieler Ostseehalle werden die 10 000 Dauerkarten nicht verkauft, sondern vererbt; im Schnitt strömen 15 000 Zuschauer in die Kölnarena, um den Traditionsverein VfL Gummersbach anzufeuern. Und auch in den Arenen in Hamburg und Mannheim wächst das Zuschauerinteresse kontinuierlich.

Hinzu kommt der deutsche Vorsprung bei der Vermarktung dieser Sportart. Als Basis des Ganzen dient eine TV-Präsenz, die fast einzigartig ist in Europa; allenfalls in Dänemark wird ähnlich viel Handball gesendet. Der Dreifach-Erfolg im Europapokal wirft für die nächste Spielzeit, da neun deutsche Teams spielberechtigt sind, ein Luxusproblem auf. „Es wird schwierig, für die Bundesliga noch ein Topspiel zu zeigen, weil alle Europapokal spielen“, sagt HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann.

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