• Drei wollen weg, einer ist noch nicht da Herthas seltsamer Start in die neue Saison

Sport : Drei wollen weg, einer ist noch nicht da Herthas seltsamer Start in die neue Saison

André Görke

Berlin - Wütend ließ Artur Wichniarek den Ball auf den Asphalt klatschen. „Was soll die Frage?!“, knurrte der Stürmer von Hertha BSC. „Ich gebe nicht auf, ich habe noch nie aufgeben, oder?“ Dann legte er seinen Ball in den Schrank und ging verärgert in die Kabine. „Aber wenn ich einen besseren Vertrag bekomme, bin ich weg, sofort“, sagte Wichniarek noch, ehe sich hinter ihm die Kabinentür schloss.

Der erste Arbeitstag bei Hertha BSC hatte noch nicht mal den Mittag erreicht, da schien sich so mancher Fußballer den Urlaub zurückzuwünschen. Neben Wichniarek wollen ja auch Pal Dardai und Alexander Ludwig weg, „aber wir haben für sie keine Angebote vorliegen“, sagt Herthas Manager Dieter Hoeneß. Wichniarek stand mal mit Hannover 96 in Verbindung, doch der Klub entschied sich für Thomas Brdaric. Dann hat der 1. FC Köln angefragt und am Ende doch abgesagt. Und auch bei Wichniareks früherem Klub Arminia Bielefeld ist man sich nicht mehr so sicher, ob der Pole noch jener Stürmer ist, der einst so viele Tore auf der Alm schoss. „Wir planen jetzt erst mal mit Wichniarek“, sagt Hoeneß, „und mit den beiden anderen Wechselkandidaten auch.“

Ein bisschen mehr wird sich in den kommenden Wochen noch auf dem Markt tun müssen, um das formulierte Saisonziel erreichen zu können. Ein „internationaler Platz“ sei die Vorgabe, hat Trainer Falko Götz gesagt. Allerdings werde das kein Selbstläufer, „weil noch acht, neun weitere Klubs“ ein ähnliches Ziel hätten, ergänzt Hoeneß.

Die Transferliste der Deutschen Fußball-Liga (DFL) ist noch bis 31. August geöffnet. Zwei neue Spieler haben die Berliner bislang verpflichtet: Kevin Stuhr-Ellegard von Manchester City wird als junger, dritter Torhüter für die Amateure spielen, der andere – Ellery Cairo vom SC Freiburg – wird auf der rechten Seite Guiseppe Reina ersetzen, dessen Vertrag nicht verlängert wurde. Ein dritter Zugang wird noch gesucht. Wenn es nun mit Roque Santa Cruz vom FC Bayern nicht klappt, „haben wir zwei Alternativen in der Hinterhand“, sagt Hoeneß, allerdings habe er wohl „so viel Sonne abbekommen“, dass ihm die Namen nicht mehr einfallen würden.

Natürlich würde ein Abgang der genannten Spieler finanziell mehr Handlungsspielraum verschaffen, zumal auch der ehemalige türkische Nationalspieler Ilhan Mansiz, der sich bei Hertha BSC nach seiner Verletzungen fit halten durfte, keinen Vertrag erhält, wie Hoeneß gestern mitteilte. „Es passt uns nicht in den Kram, dass einer ständig seine Meinung ändert“, sagte der Manager verärgert. Der Klub wollte Mansiz eigentlich noch einen Monat mittrainieren lassen und dann über eine Zusammenarbeit entscheiden, doch weil der plötzlich schon zum Saisonauftakt eine Zusage haben wollte, hat Hertha kurzerhand abgesagt. „Das enttäuscht mich“, sagte Hoeneß. „Ilhan ist schlecht beraten.“

Und als sei das alles nicht genug an diesem ersten Arbeitstag, der so schön in der Sonne begonnen hatte, erreichte die Berliner aus Brasilien die Nachricht, dass Marcelinho mal wieder Sorgen hat mit seinem Immobilienbesitz in der Heimat. Das Auftakttraining fand also zum dritten Mal hintereinander ohne ihn statt. Marcelinho wird nun am Mittwochmorgen in Berlin erwartet. „Ist doch ein schönes Omen, dass Marcello nicht da ist“, sagt Götz. Vor einem Jahr hatte der Brasilianer ebenfalls den Auftakt verpasst und spielte anschließend eine überragende Saison.

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