Sport : Drei, zwei, eins… Mainz!

Nach der einkalkulierten Niederlage in München richtet der FC Hansa Rostock den Blick auf ein wegweisendes Spiel

Daniel Pontzen[München]

Zu den anerkannten Stärken Jörg Bergers zählt die Kommunikation. Das Hauptmotiv seiner Arbeit liegt darin, seinen Mannschaften so lange und penetrant die eigene Stärke einzureden, bis sie selbst davon überzeugt sind. So war es in Aachen, wo er mit der Alemannia ins Pokalfinale einzog, so war es bei vielen vorherigen Stationen, wo er scheinbar abgeschlagene Mannschaften aus der Abstiegszone führte – und endlich, nach einiger Anlaufzeit, schien es in den vergangenen Wochen auch in Rostock zu funktionieren.

Vor dem Spiel bei Bayern München am Sonnabend aber muss etwas schief gelaufen sein im Dialog mit seinem Team. Bayern habe „eine europäische Spitzenmannschaft“, hatte Berger vor dem Spiel gesagt, gleichwohl betont, er werde „deswegen nicht in Ehrfurcht erstarren“. Das galt bedauerlicherweise nur für ihn. Der FC Hansa Rostock ergab sich trotz früher Führung ungewohnt devot im Olympiastadion, wo er sich in den Vorjahren dank beherzter Kontertaktiken die beste Bilanz aller Bundesligisten erarbeitet hatte.

„Es hätte jeder Einzelne 110 Prozent bringen müssen, um hier etwas zu holen“, behauptete Berger anschließend, in Wahrheit hätten deren 100 möglicherweise schon ausgereicht: Beim FC Bayern war nach den Spitzenspielen der letzten Wochen eine gewisse mentale Müdigkeit erkennbar, doch Hansa gelang es nicht, daraus Kapital zu schlagen. Als Antonio di Salvo kurz nach dem Führungstor durch Uwe Möhrle eine gute Chance zum 2:0 vergeben hatte, stellte Hansa kurzerhand sämtliche Offensivbemühungen ein. Berechtigte Hoffnung, dem Spiel nach Bayerns Führung eine erneute Wende zu geben, blieb daher kaum. „Das war insgesamt nicht die Leistung, die die Tendenz der letzten Wochen gezeigt hat“, sagte Berger im Rückblick auf die jüngsten Siege gegen Hannover und Bochum.

Die Rostocker arrangierten sich nach dem Abpfiff schnell mit der Tatsache, dass aus dem unplanmäßigen Erfolgserlebnis nichts geworden ist. „Unser Ziel muss es sein, unsere Heimspiele zu gewinnen“, sagte Thomas Rasmussen ohne sichtbare Bereitschaft, sich über die verlorenen Punkte in München zu echauffieren. Insbesondere gilt die Parole des Dänen für die nächste Aufgabe im Ostseestadion, wenn Mainz 05 zu Gast ist. Der Aufsteiger ist neben Nürnberg und Gladbach jener Verein, den Hansa noch einholen könnte. Ein Sieg gegen Mainz würde einen wichtigen Schub für die entscheidenden Wochen geben. „Da muss die Mannschaft brennen“, sagte Berger, wenn Hansa dieses Spiel nicht gewinne, werde der Klassenerhalt „ganz, ganz schwer – oder fast unmöglich“. Nächstes Wochenende ist spielfrei, Länderspielpause, weshalb dem Kommunikationsprofi 14 Tage bleiben, seine Mannschaft auf das Spiel einzustellen. Der Countdown läuft.

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