Sport : Dreifach unsicher

Annette Dytrt übersteht mit Mühe die Qualifikation der Eislauf-WM

Frank Bachner

Dortmund. Nach ein paar Minuten musste sich Annette Dytrt daran erinnert haben, dass sie inzwischen 20 Jahre alt ist. Und dass es doch etwas kindisch aussieht, wenn sie wie ein kleines Mädchen vor den ganzen Journalisten steht, die Hände hinter dem Rücken verschränkt und mit piepsiger Stimme antwortet. Also zog sie die Hände nach vorne, und weil sie schon dabei war, wieder erwachsen zu werden, hatte sie wohl auch das Gefühl, mal Klartext reden zu müssen. Also verkündete sie: „Ich bin hier nicht schlecht gelaufen, man kann mit mir zufrieden sein.“ Die Experten unter den Zuhörern staunten nicht schlecht. Annette Dytrt, die Deutsche Meisterin, hatte die Qualifikation bei der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft in Dortmund, mit einiger Mühe überstanden. Platz zehn in ihrer Gruppe ist nicht gerade ein Erfolgserlebnis. Sie sprang keinen dreifachen Rittberger, sie sprang keinen dreifachen Lutz, und beim Doppelaxel hatte sie zu früh aufgemacht. Kann man damit zufrieden sein? Dytrt sagte auch, es sei ja ihre erste WM, sie sei noch aufgeregt, und außerdem habe sie schon um 7.20 Uhr Training gehabt.

Andererseits passt das öffentliche Selbstlob zu jemandem, der die Medien für seine Zwecke einspannt. Annette Dytrt lebt in München, hat kaum Sponsoren und putzt deshalb abends in einem Kindergarten. Damit verdient sie ein bisschen Geld dazu. Schön ist das nicht, allerdings müssen auch andere Athleten jobben, um zu leben. Dytrt aber klagte in der „Bunten“ über ihr Leid und ließ sich von RTL in ihren Gummihandschuhen beim Putzen filmen.

Ihr Trainer Alexander Vedenin muss Ende April den Olympiastützpunkt München verlassen, Dytrt will mit ihm mitgehen. Und wohin geht es? Da lächelte Dytrt nur und sagte: „Vor dem Kurzprogramm möchte ich dazu nichts sagen.“

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