Sport : Dreimal Gelb gibt Rot

Robert Ide

Als Josip Simunic die zweite Gelbe Karte sah, tat er zunächst nichts Ungewöhnliches. Der Kroate beschwerte sich beim englischen Schiedsrichter Graham Poll mit rudernden Armen und entsetztem Gesicht. Dann aber tat er etwas, was sich bei einer Weltmeisterschaft noch niemand traute: Der Verteidiger von Hertha BSC spielte einfach weiter. Drei Minuten später verwies ihn Poll doch mit Gelb-Rot des Feldes – Simunic hatte ein weiteres Mal reklamiert.

Solch eine Schiedsrichter-Leistung hat die Welt noch nicht gesehen: Drei statt zwei Gelbe Karten. Ein statt drei zu gebende Elfmeter. Das entscheidende Ausgleichstor für Australien aus dem Abseits. „Nicht verständlich und verzeihlich“, nannte Fifa-Präsident Joseph Blatter diesen Fehlerhaufen. Für Graham Poll, einen der bislang besten Schiedsrichter des Fußballplaneten, ist die Weltmeisterschaft mit Sicherheit beendet. Inzwischen wurde die zweite Gelbe Karte aus den Statistiken der Fifa gelöscht. Der Vorfall wird als regeltechnischer Fehler gewertet. Bloß schnell vergessen!

Das geht freilich nicht. Noch lange werden die Fans über den Unparteiischen lachen, den ein berauschendes Spiel offenbar besoffen machte. Pauschale Häme ist allerdings nicht angebracht. Bisher waren die Schiedsrichter-Leistungen bei der WM überraschend gut. Referees gerade aus Ländern mit geringer Fußballerfahrung, die bei früheren Turnieren stets ein Risiko darstellten, haben im Team überzeugt und die Regeln zum besseren Schutz von Gefoulten angewandt. Nun zeigen ausgerechnet die besten Referees in den entscheidenden Spielen Nerven – so wie Markus Merk, der Ghana mit einem zweifelhaften Elfmeter den Achtelfinal-Einzug erleichterte.

So wenig verzeihlich die einzelnen Fehler sind: Sie bleiben vereinzelte Fehler. Bedenklicher stimmt, dass die drei Assistenten Graham Poll mit seiner Tragik allein ließen und ihn nicht per Funk auf seine Wirrnisse aufmerksam machten. Fehler können jedem passieren. Sie einzugrenzen mit Mut zum Widerspruch, das müssen die WM-Schiedsrichter noch trainieren.

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