Sport : Dreimal gestartet, dreimal Zweite Biathletin Henkel ist schon in WM-Form

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Berlin - Diesmal war es nicht so knapp. Andrea Henkel vergab schon beim letzten Schießen mit einem Fehler endgültig alle Chancen auf einen Sieg und musste vor 26 000 Zuschauern in der Chiemgau-Arena in Ruhpolding der Norwegerin Tora Berger den Vortritt lassen. Berger hatte sie auch am Vortag bezwungen, allerdings mit hauchdünnen 1,1 Sekunden Vorsprung. Nun aber konnte ihr Andrea Henkel kaum gefährlich werden und musste sich mit Rang zwei begnügen. Aber das kennt sie ja schon.

Dreimal gestartet, dreimal Zweite – so lautet die Ruhpolding-Bilanz der Andrea Henkel. Dass kein einziger Sieg gelang, war das einzige Manko der deutschen Biathleten in der Chiemgau-Arena. Fünfmal waren sie aufs Podest gelaufen – neben Henkel war das am Abschlusstag auch Michael Greis gelungen, der im Verfolgungsrennen auf Rang drei kam –, doch niemand konnte ein Rennen auch gewinnen. Trotzdem sagt Andrea Henkel: „Ich bin ziemlich zufrieden mit meinen zweiten Plätzen, auch wenn viele etwas anderes sagen.“ Der Präsident des Deutschen Skiverbandes sieht das ähnlich. „Der Positiv-Trend hält an“, sagte Alfons Hörmann, „das Biathlon-Team ist auf einem guten Weg.“

Andrea Henkel, die dienstälteste deutsche Biathletin, ist im Moment die Beständigste unter den deutschen Skijägern. „Darüber bin ich richtig glücklich“, sagte sie. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, wann ihr der 19. Weltcupsieg ihrer Karriere gelingt. Bisher gab es im nacholympischen Winter nur im Dezember einen Einzel-Sieg. Trotzdem ist das deutsche Team sechseinhalb Wochen vor Beginn der WM in Russland in vielversprechender Form. So fehlten Michael Greis am Sonntag im 12,5-Kilometer-Verfolgungsrennen lediglich 6,9 Sekunden auf den Olympiasieger Björn Ferry. Michael Greis wartet nun bereits seit zwei Jahren auf einen Sieg in einem Weltcup-Rennen.

Magdalena Neuner hatte bisher als einzige Deutsche in diesem Winter gewonnen, am Sonntag im Jagdrennen aber verfehlte sie gleich vier Scheiben und wurde Achte. „Ich hatte keine Kraft mehr, es ging einfach nicht mehr. Der ganze Wettkampf war ein Kampf“, sagte Neuner.

Am Vortag hatte sie im Sprint noch mit Rang drei neue Hoffnungen geweckt. Nur mit dem allerletzten Schuss hatte sie nicht getroffen, musste in die Strafrunde und war nach 7,5 Kilometern 15,8 Sekunden langsamer als die Norwegerin. „Ich habe mich über mich selbst geärgert, denn ich habe mich so sicher gefühlt“, sagte sie. Die zweimalige Olympiasiegerin hatte sich aber erneut über die beste Laufzeit freuen dürfen.

Der Jubel der Zuschauer war ihr sicher. Fast 100 000 Biathlon-Fans waren in fünf Tagen in die für 16 Millionen Euro umgebaute Arena in Ruhpolding gekommen. Die deutschen Biathleten zeigten sich begeistert von der Stimmung in Oberbayern. „Es ist schön, wenn man die Begeisterung spürt, das motiviert für die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr“, sagte Michael Greis. Zuvor aber gibt es noch die Weltmeisterschaft in Chanty-Mansijsk – und dafür sieht es seit dieser Woche wieder ganz gut für die deutschen Biathleten aus. Tsp/dpa

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