Sport : Dreisprung: Sehne und Serie gerissen

Erst riss die Sehne, dann die Siegesserie. Weil der Körper seinen Dienst versagte, konnte sich Charles Friedek erstmals seit der EM 1998 bei einer internationalen Meisterschaft nicht mit einem Titel dekorieren. Doch das Aus im Vorkampf des olympischen Dreisprungs in Sydney nach drei ungültigen Versuchen nahm der Weltmeister mit Fassung: "Für Olympia würde ich alles wieder so machen. Ich kann damit leben, weil ich alles gegeben habe, auch wenn einige jetzt sagen werden, ich habe versagt. Die Narben muss ich aber dennoch verkraften."

Der Start des Mannes, der seit 1998 in Folge den Weltcup, die WM-Titel in der Halle und im Freien sowie den EM-Titel unter dem Hallendach gewonnen hatte, kam allerdings einem "Harakiri" gleich. Beim Training am 6. September in Leverkusen war Friedek bei einem Sprunglauf derart falsch aufgekommen, dass sich das Kniegelenk des linken Beines nach außen verdrehte. Diagnose: Einriss der Bizepssehne - eine Verletzung, die es eigentlich unmöglich macht, die beim Dreisprung auftretenden Kräfte abzufangen.

Eine Spritzenkur sollte das Unmögliche noch möglich machen, doch der Kopf ließ sich nicht manipulieren. "Das Bein konnte betäubt werden, aber du schleppst die Verletzung ständig im Kopf mit dir herum", sagte der Schützling von Trainer Bernd Knut, der völlig am Boden zerstört war. Am Morgen des Finales hatte sich Mannschaftsarzt Graff bereits skeptisch geäußert. "Es hat eine Einblutung an der hinteren Kniegelenk-Außenseite gegeben. Das Riskio ist da."

Doch "Dickschädel" Friedek wollte mit dem Kopf durch die Wand: "In dem Moment, wo du aufgibst, hast du sowieso verloren. Deshalb habe ich die Versuche alle durchgezogen." In nächster Zeit werde er wohl "weniger Geld verdienen", das Grand-Prix-Finale in Doha aber trotz der Verletzung bestreiten und im "nächsten Jahr wieder voll angreifen". Nur zu gerne hätte er Großbritanniens Weltrekordler Jonathan Edwards herausgefordert, der seine Karriere mit dem Olympiagold (17,71 m) krönte. Obwohl der 34 Jahre alte Weltmeister von 1995 aus Newcastle spät in die Saison gestartet ist, hielt er die Konkurrenz sicher in Schach. Silbermedaillen-Gewinner Yoel Garcia (Kuba) lag mit 17,47 m ebenso respektvoll zurück wie der Russe Denis Kapustin (17,46). "Das war ein harter Wettkampf. Ich bin so dankbar für alles. Ich weiß nicht, was ich sagen soll - ich bin überwältigt", stammelte der gläubige Christ, "ich habe gebetet wie verrückt."

"Ich freue mich für ihn", sagte Friedek. "Aber ich hatte so tolle Trainingswerte, dass ich ihn hätte herausfordern können. Jetzt sagst du: Mann, wäre die ganze Scheiße bloß nicht passiert." Schon bei den 16,97 m in der Qualifikation war Friedek ein Risiko eingegangen, denn die vor zwei Wochen lädierte Sehne hätte reißen können. "Ich habe in den letzten zwei Wochen viel Energie gelassen. Ich bin überzeugt, vorne mitspringen zu können. Aber ich hatte heute keine Chance, in die Sprünge rein zu kommen", meinte Friedek. Aber: "Ich springe noch vier Jahre und schaue nach vorne."

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