Sport : Dreistellig aus der Krise

Drei Tage nach Bekanntwerden des Dopingfalls Wright spielen Albas Basketballer in Tübingen groß auf

Fabian Heckenberger[Tübingen]

Der Spieler, für den sich alle interessierten, hatte keinen Punkt erzielt, keinen Rebound geholt, keinen Pass gespielt. Tatsächlich war er gar nicht anwesend in der Tü-Arena, beim 103:73-Sieg von Alba Berlin bei den Walter Tigers Tübingen – und doch war Michael Wright allgegenwärtig. Der Name des Berliner Spielmachers, der am Mittwoch wegen eines positiven Dopingtests vom Deutschen Basketball-Bund (DBB) gesperrt worden und zur Partie nach Tübingen gar nicht angereist war, war am Samstag interessanter als der dreistellige Erfolg gegen den Aufsteiger.

Aus der Ruhe bringen ließ sich die Berliner Mannschaft vom Trubel um Wright indes nicht. Der Center Jovo Stanojevic etwa schüttelte nur lachend den Kopf auf die Frage, ob die Mannschaft nach Wrights positiver Dopingprobe sehr verunsichert sei. Und Guard Tanel Tein befand: „Das Team hat die Ereignisse der vergangenen Tage verarbeitet. Wer mit 30 Punkten auswärts gewinnt, der kann nicht völlig aus der Balance geraten sein.“

Die Mannschaft scheint sich gefangen zu haben nach dem Dopingwirbel und der darauf folgenden 85:96-Pokalniederlage in Bonn. „Man muss allerdings deutlich unterscheiden zwischen dem Spiel in Bonn und der Partie in Tübingen“, sagt Albas Manager Henning Harnisch. Zwei Stunden vor Spielbeginn am Mittwoch in Bonn erfuhren die Berliner vom Dopingfall. „Da stehst du zusammen mit der Mannschaft einfach geschockt da. Du hast ja kein Krisenteam mit einem Krisenplan parat, das die Spieler wieder aufbaut“, sagte Harnisch. Dementsprechend verunsichert spielten die Berliner in Bonn.

Vor dem Spiel am Samstag gegen den Aufsteiger Tübingen hatten die Berliner mehr Zeit zur psychischen Regeneration. Ihr Trainer Henrik Rödl sagte: „Es war wichtig, dass die Mannschaft und ich versucht haben, uns rein auf den sportlichen Aspekt zu konzentrieren. Das ist schließlich unser Job.“ Ein Job, den die Berliner solide erledigten. Tübingen war in der schwachen Form von Samstag allerdings auch ein idealer Aufbaugegner für Rödls Mannschaft. Alba führt damit weiterhin die Tabelle der Basketball-Bundesliga an. Ein Platz unter den ersten vier und damit das Heimrecht beim ersten Spiel in den Play-offs ist so gut wie sicher. Es ist wieder Ruhe eingekehrt. Damit könnte es bald vorbei sein, denn schon am Mittwoch verhandelt die Dopingkommission des Deutschen Basketball-Bundes den Fall von Michael Wright. „Zuerst wird der Spieler von der Kommission angehört, anschließend klären wir die Faktenlage und entscheiden dann, welche Konsequenzen sich aus dem Fall ergeben“, sagte Wolfgang Hilgert, der Vorsitzende der Kommission. Die Risse in der Welt von Alba Berlin, die mit dem Sieg am Samstag erfolgreich gekittet wurden, sie könnten dann schon wieder aufbrechen.

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