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Dresden - Hertha 1:0 : Niederlage in blauem Rauch

Bei Dynamo Dresden endet Herthas Serie nach 21 Spielen ohne Niederlage, die Berliner unterliegen mit 0:1. Hertha-Trainer Jos Luhukay wollte eigentlich nach dem Sieg gegen Kaiserslautern nicht viel an der ersten Elf ändern - wurde dann aber dazu gezwungen.

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Herthas erste Niederlage nach 21 Spielen wurde von blauem Rauch begleitet.Alle Bilder anzeigen
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02.03.2013 15:43Herthas erste Niederlage nach 21 Spielen wurde von blauem Rauch begleitet.

Das Stadioneck war in blauen Rauch gehüllt. Bengalfackeln brannten, Lichter zuckten. Es ist gerade mal ein Dreivierteljahr her, dass die Anhänger von Hertha BSC auf ähnliche Weise ihren Teil dazu beigetragen haben, dass das Relegationsspiel in Düsseldorf den für die Berliner bekannt desaströsen Ausgang nahm. Aber mit Vernunft sind einige Menschen einfach überfordert. Als am Samstagmittag Herthas Spiel in Dresden angepfiffen wurde, blieb den Gästen aus Berlin hinter der Wand aus Rauch ein wichtiges Detail verborgen. Auf dem Rasen standen plötzlich Pierre-Michel Lasogga und Sandro Wagner, die laut offiziellem Meldebogen eigentlich Ersatz waren. Dafür fehlten Ronny und Marcel Ndjeng. Während bei Ndjeng der Verdacht auf einen Muskelfaserriss im Oberschenkel besteht, saß Ronny mit muskulären Problemen immerhin auf der Ersatzbank und wurde 20 Minuten vor Schluss beim Stand von 0:1 eingewechselt. Doch auch das half den Berlinern nicht mehr. Das Ergebnis hatte bis zum Schluss Bestand. So endete beim Abstiegskandidaten Dynamo Dresden nach 21 Spielen ohne Niederlage Herthas beeindruckende Serie. 

Eigentlich hatte Luhukay seine Mannschaft im Vergleich zum Sieg gegen Kaiserslautern nur auf einer Position verändern wollen. Lewan Kobiaschwili solle Fabian Holland hinten links in der Viererkette ersetzen. Für den Georgier war es der erste Startelfeinsatz, seitdem er seine Rekordstrafe verbüßt hat. Luhukays umfangreiche Rochaden wirbelten die Mannschaft dann aber komplett durcheinander. Lasogga und Wagner bildeten den Sturm, Ramos besetzte im 4-4-2-System die rechte offensive Außenposition. 

Hertha begann auch in ungewohnter Besetzung und ungewohnter Formation gewohnt dominant, setzte die Dresdner auf einem schwer zu bespielenden Platz früh unter Druck und hatte nach fünf Minuten durch Ramos die erste Chance. Seinen Schuss lenkte Dynamos Torhüter Benjamin Kirsten zur Ecke. Doch nach rund 20 Minuten änderte sich das Bild. Die Dresdner, als Tabellen-16. mitten im Abstiegskampf, wurden nun griffiger. Sie setzten den Spitzenreiter der Zweiten Liga nun gehörig unter Druck. Lynel Kitambala verfehlte nach einem Konter mit seinem Schuss das Tor; kurz darauf verpassten er und Mickael Poté eine Flanke nur denkbar knapp.

 Die Berliner wirkten in dieser Phase überraschend fahrig, die Abläufe stimmten weder im Spiel nach vorne noch in der Defensive. Zudem machten die beiden Innenverteidiger Fabian Lustenberger und John-Anthony Brooks einen ungewohnt unsicheren Eindruck. „Vielleicht haben wir im Kopf ein bisschen nachgelassen“, sagte Nico Schulz. Bis zur Pause wurde Hertha nur noch durch seinen Freistoß gefährlich, bei dem Torhüter Benjamin Kirsten schlecht aussah. Statt in Führung zu gehen, gerieten die Berliner kurz darauf in Rückstand. Nach einer Freistoßflanke von Cristian Fiel lenkte Lasogga den Ball, bedrängt von Mickael Poté, ins eigene Tor. Das passte zu diesem Nachmittag, an dem sich Luhukay angesichts des Dresdner Drucks mit dem knappen Rückstand zur Pause sogar noch gut bedient fühlte.

Auch in der zweiten Hälfte fand Hertha nicht ins Spiel. „Wir haben nie die letzte Durchschlagskraft gehabt“, sagte Luhukay. Seine Mannschaft verlor viele Bälle schon im Aufbau, wodurch die Dresdner immer wieder zu guten Kontergelegenheiten kamen. Hertha hingegen wurde erst unmittelbar nach Ronnys Einwechslung wieder einmal gefährlich – nachdem der Brasilianer mit einem präzisen 40-Meter-Pass den ebenfalls eingewechselten Änis Ben-Hatira bedient hatte. Dessen Schuss aber verfehlte das Dresdner Tor.

Es war der Beginn einer druckvollen Schlussphase, in der die Berliner zumindest alles versuchten. „Der kämpferische Ehrgeiz war da“, sagte Peer Kluge. Der finale Eifer aber änderte nichts mehr an Herthas zweiter Saisonniederlage. „Es gehört im Fußball dazu, auch wenn es uns lange nicht mehr passiert ist“, sagte Jos Luhukay. „Wir müssen die Niederlage mit Größe wegstecken.“

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