Dressur : Immer langsam mit den jungen Pferden

Isabell Werth gilt als beste Dressurreiterin, auch sie hätte Totilas reiten können. Aber sie kümmert sich lieber um die Ausbildung - und könnte deshalb Olympia verpassen.

Tim Röhn
Mach die Biege, Fliege! Dressurreiterin Isabell Werth sprüht beim CHIO in Aachen ihr Pferd Don Johnson mit einem Schutzmittel gegen Bremsen ein.
Mach die Biege, Fliege! Dressurreiterin Isabell Werth sprüht beim CHIO in Aachen ihr Pferd Don Johnson mit einem Schutzmittel...Foto: dapd

Helen Langehanenberg stand im Sand und lachte der Sonne entgegen. Kurz darauf ritt Kristina Sprehe aus dem Viereck, und die Zuschauer erhoben sich von ihren Sitzen. Am Ende sagte Bundestrainer Jonny Hilberath: „Ich bin so happy!“

Die Laune der deutschen Dressur-Equipe beim CHIO in Aachen könnte besser nicht sein. Beim Grand Prix Special feierte das deutsche Team gestern Nachmittag einen Doppelsieg. Sprehe (Dinklage) gewann auf Desperados mit 81,00 Prozent knapp vor der Deutschen Meisterin Langehanenberg (Havixbeck) auf Damon Hill, die auf 80,622 Prozent kam.

Dorothee Schneider (Framersheim/auf Diva Royal) wurde Vierte, Anabel Balkenhol (Rosendahl/auf Dablino) Zehnte. Schon den Nationenpreis hatte Deutschland für sich entschieden, Sprehe gewann auch dort die Einzeldisziplin. „Die Mädels sind wie entfesselt geritten, das war eine super Performance", sagte Bundestrainer Hilberath einen Tag vor der Nominierung für die Olympischen Spiele heute.

Drei Paare wird Hilberath für den Mannschaftswettbewerb benennen, ein weiteres reist für die Einzeldisziplin an, eines hält sich als Ersatz bereit. Diese Reserverolle wird möglicherweise Isabell Werth zukommen, die seit zwei Jahrzehnten als beste Dressurreiterin gilt.

Die 42-Jährige holte fünf Mal Olympisches Gold, sie war mehrfach Welt- und Europameisterin. Kein Wunder also, dass auch ihr vor zwei Jahren angeboten worden war, Zehn-Millionen-Pferd Totilas zu reiten. Aber sie lehnte ab. Das passe nicht zu ihrer Philosophie, sie wolle sich weiter auf die Ausbildung von jungen Pferden konzentrieren, hieß es damals.

Im Hinblick auf London bringen ihr die alten Errungenschaften nichts. Mit ihrem elfjährigen Wallach Don Johnson durfte Werth beim CHIO nur die zweitklassige CDI-Tour reiten, nachdem sich das Pferd bei den Deutschen Meisterschaften Anfang Juni verletzt hatte und erst kurz vor dem Start in Aachen fit geworden war.

Nach ihrem dritten Platz im Grand Prix am Mittwoch gewann sie vorgestern zwar den Grand Prix Special, aber 73,867 Prozent waren kein Wert, mit dem die Rheinbergerin ein Paar aus dem Nationenteam verdrängen könnte.

Bei der Nominierung für den Ersatzplatz wird sich Bundestrainer Hilberath zwischen Werth und Monica Theororescu (Sassenberg) auf Whisper entscheiden. Werth blickt der Nominierung ziemlich entspannt entgegen. Sie lacht viel, bei ihren Auftritten wirkte sie nicht übermotiviert. Auch im Gespräch versprüht sie Lockerheit. „Wenn ich nicht nach London fahren sollte, kann ich in Ruhe weiter meine Pferde aufbauen“, sagt Werth, die schon 2004 Olympia in Athen verpasst hatte. „Damals bin ich auch zurückgekommen“, sagt sie und erinnert an ihren Siegeszug bei der WM 2006. Man muss sich also keine Sorgen machen um Isabell Werth, zumal in ihrem Stall eine Stute namens Bella Rose steht, die erst acht Jahre alt und ein sehr hoffnungsvolles Pferd ist.

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