Sport : Dressurreiter: Mit Sprehe, aber ohne Werth nach London

Tim Röhn[Aachen]
Jetzt winkt mehr. Sprehe und Desperados haben gute Chancen in London. Foto: dapd
Jetzt winkt mehr. Sprehe und Desperados haben gute Chancen in London. Foto: dapdFoto: dapd

Kristina Sprehe saß ganz ruhig auf ihrem Stuhl da oben auf dem Podium, sie schaute sich um, blickte auf die Journalisten, auf ihre Teamkolleginnen, auf den Bundestrainer. Es schien so, als würde sich die 25-Jährige fragen, in was sie da eigentlich hineingeraten ist. Erst im Dezember 2011 war sie in den A-Kader aufgestiegen, und nun saß sie im Pressekonferenzraum des CHIO und wurde als Dressurreiterin für Olympia vorgestellt. Eine Überraschung war das angesichts von zwei Siegen und einem zweiten Platz in Aachen nicht mehr, ausgefallen ist aber die Rasanz, mit der es für Sprehe nach oben ging.

„Das ist ein Traum. Alles ist neu“, sagte Kristina Sprehe mit leiser Stimme. Mit ihrem Hengst Desperados gehört sie in London genauso zur Equipe wie Helen Langehanenberg, die am Sonntag mit Damon Hill die Kür gewann, und Dorothee Schneider mit Diva Royal. Einzelstarterin ist Anabel Balkenhol mit Dablino. Monica Theoderescu und Whisper fahren als Ersatz mit, Isabell Werth verzichtete auf die Reserverolle, sie hält ihr Pferd Don Johnson für nicht gut genug, um einzuspringen. „Wir haben gute Chancen. Wir sind ein junges, frisches Team und haben junge, frische Pferde“, sagte Langenhanenberg in einer unbekümmerten Art. Für die vier im Team ist es die erste Olympiateilnahme. Angesichts der traditionell hohen Erwartungen an die deutsche Dressur wird diese Sorglosigkeit aber kaum bis zum Start am 28. Juli aufrechtzuerhalten sein.

Der Druck auf die deutschen Springreiter ist dagegen gesunken. Ständig neue Hiobsbotschaften gab es rund um den CHIO für Bundestrainer Otto Becker. Zuerst meldete sich Carsten-Otto Nagel mit seiner verletzten Stute Corradina ab. Dann erklärte Ludger Beerbaum seinen Olympiaverzicht. Schließlich versagte Marco Kutscher mit Cornet Obolensky beim Nationenpreis, als er sich 32 Fehlerpunkte leistete, und verlor mit diesem Chaosritt noch sein Olympiaticket.

Christian Ahlmann landete in Aachen im Großen Preis mit Taloubet Z auf Rang fünf, Marcus Ehning wurde mit Copin van de Broy Neunter und Philipp Weishaupt mit Catoki 24. Vorjahressiegerin Janne-Friederike Meyer hatte auf einen Start verzichtet. Der Bundestrainer vertraut in London auf Meyer mit Lambrasco, Ehning mit Pot Blue, Ahlmann mit Codex One sowie Weishaupt mit Monte Bellini.

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