Dritte Liga : Union schlägt Dynamo Dresden 2:1

Drittligist 1. FC Union festigt mit dem 2:1 gegen Dynamo Dresden seinen Platz an der Spitze. Nach 0:1-Rückstand treffen Shergo Biran und Kenan Sahin für die Berliner.

Karsten Doneck
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Das Feiern nimmt kein Ende. Unions Shergo Biran (rechts) bejubelt sein 1:1 gegen Dresden gemeinsam mit Daniel Göhlert. Zehn Spiele...

Berlin - Der Mann wusste gar nicht, wohin mit seiner Freude. Also riss er sich einfach das rote Trikot vom Leib und schleuderte das regendurchnässte Kleidungsstück auf den matschig gewordenen Rasen. Dann rannte er los – dem kalten Wetter und dem heftigen Regen trotzend – mit freiem Oberkörper Richtung Haupttribüne. Dort angekommen, blieb er in Jubelpose stehen und ließ sich feiern. Kenan Sahin hatte wenige Sekunden zuvor für seinen Klub, den Fußball-Drittligisten 1. FC Union, mit einem Flachschuss der Sorte „Einfach-mal-draufhalten“ das entscheidende Tor zum 2:1 (1:1)-Sieg gegen Dynamo Dresden erzielt. Acht Minuten vor Schluss passierte das, beide Seiten schienen sich da schon allmählich mit einem Unentschieden anzufreunden. Dass Schiedsrichter Peter Gagelmann für Sahins Freudenausbruch wenig Verständnis zeigte und dem Torschützen für das Trikotausziehen regelkonform die Gelbe Karte zeigte, kümmerte bei Union so recht keinen.

Zehn Spiele in Folge ohne Niederlage

Die Köpenicker festigten mit ihrem Sieg die Tabellenführung in der Dritten Liga. Schon zehn Spiele in Folge haben sie nicht mehr verloren. Der Weg Richtung Zweite Liga steht weit offen, doch 14 Spieltage bleiben noch. „Wir haben jetzt 52 Punkte. Ein Ruhekissen ist das noch nicht“, warnt Union-Trainer Uwe Neuhaus und forderte seine Spieler auf, „jetzt ganz in Ruhe weiterzuarbeiten“.

Um vor der Saison-Rekordkulisse von 13 579 Zuschauern im Jahnsportpark Dynamo Dresden zu besiegen, reichte letztlich eine eher mittelmäßige Leistung. Immerhin: Als kurz Ungemach drohte, fand Union postwendend die passende Antwort. Da hatte Pavel Drobny die Gäste, die von 3000 weitgehend friedlichen Fans begleitet worden waren, kurz vor der Pause nach ausgeglichenem Verlauf in Führung gebracht. Im Fußballerjargon ist in solchem Fall vom psychologisch wichtigen Zeitpunkt die Rede. Doch dieser Vorteil hielt keine 120 Sekunden. Einen Freistoß von Torsten Mattuschka stieß Shergo Biran mit dem Kopf an den Innenpfosten, von dort trudelte der Ball zum 1:1 ins Netz. „Unseren Vorsprung hätten wir in die Pause retten müssen“, sagte Dresdens Trainer Ruud Kaiser missmutig. Und auch das prompte Gegentor rief Kaisers Unmut hervor. „Jeder weiß doch, dass Union bei Freistößen sehr stark ist“, sagte er grollend. Jeder? Seine Abwehrspieler offenbarten in Berlin genau diese Wissenslücke.

Torschütze Sahin kam erst in der Winterpause

Der Pausenstand war indes gerecht. Beide Mannschaften gingen kampfbetont zu Werke, der tiefe Boden war Schönspielerei auch nicht dienlich. Dynamo-Stürmer Halil Savran, der mal als Verstärkung bei Union im Gespräch gewesen war, stiftete Unruhe in der gegnerischen Abwehr. Auf der Gegenseite musste aber auch Dynamos Maik Wagefeld einmal gegen Shergo Biran auf der Torlinie retten.

Nach dem Wechsel taten die Gäste zu wenig, um Union ernsthaft gefährlich zu werden. Die Köpenicker ihrerseits erkämpften sich Vorteile, ohne zwingende Tormöglichkeiten herauszuarbeiten – bis Kenan Sahin seinen Auftritt hatte und das Siegtor erzielte. Der Türke, dessen Fußball-Vita auch sechs Bundesligaeinsätze für Bayer Leverkusen umfasst, war erst in der Winterpause von Fortuna Düsseldorf verpflichtet worden. Mit freiem Oberkörper musste Sahin die Restspielzeit übrigens nicht bestreiten. Schiedsrichter Gagelmann hatte das Leibchen vom Boden aufgesammelt und einem Union-Spieler überreicht, der es dem jubelnden Torschützen zur Außenlinie hinterhertrug. Und so wurde am Ende sogar die Kleiderordnung wieder eingehalten.

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