Dritte Liga : Zwischen Innovation und Tradition

Wenn man ein neues Produkt am Markt etablieren möchte, entscheidet über den Erfolg oft der Zeitpunkt der Einführung. Die neue Dritte Liga bringt mehr Geld – und Angst vor Zweitteams ohne Fans.

Mathias Klappenbach

BerlinDie Tage, in denen die Sommerpause quälend lang wird, weil der Saisonstart der Bundesliga noch drei Wochen und das erste Pokalwochenende noch zwei Wochen entfernt sind, scheinen im Fußball günstig, seine Neuerung zu präsentieren. Sie heißt 3. Liga, und heute Abend um 20.30 Uhr beginnt die neue höchste Spielklasse des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ihre erste Saison mit dem Spiel der Traditionsklubs Rot-Weiß Erfurt gegen Dynamo Dresden, das live im Fernsehen des MDR übertragen wird. Von einem „historischen“ Tag reden gar manche Funktionäre, der DFB hofft, eine neue „Qualitätsmarke“ erschaffen zu haben. Näher am Profifußball der Deutschen Fußball-Liga (DFL) mit den beiden Bundesligen will man mit der Liga sein, in der die Zweitligaabsteiger und die oberen Tabellenhälften der vormaligen Regionalligen Nord und Süd zusammengefasst sind. In denen spielten de facto auch nur Profifußballer, die meisten Vereine kämpften in der alten 3. Liga aber schwer um eine gesunde finanzielle Basis.

Auch in der neuen 3. Liga sind die Fernsehrechte an die öffentlich-rechtlichen Sender vergeben, 590 000 Euro statt wie in der Regionalliga 375 000 Euro erhält jeder Klub. Ausschnitte aus den TopSpielen laufen samstags vor der Bundesliga in der Sportschau, auch das ZDF will im Sportstudio und in der Sportreportage am Sonntag berichten. Das hört sich nach guter Positionierung an, in der Zweiten Liga bekommen die Klubs aber zwischen 3,7 und 7,5 Millionen Euro. „Natürlich sagt jeder, dass ihm das Fernsehgeld zu wenig ist. Man muss der Liga ein bis zwei Jahre Zeit geben, um sich zu etablieren“, sagt Soeren Oliver Voigt, der Geschäftsführer von Eintracht Braunschweig. „Wenn die Liga angekommen ist, muss man die Marktforschungsdaten auswerten und sehen, ob wir für überregionale Sponsoren interessant sind.“

Denn jetzt geht es für die Niedersachsen auch gegen den SV Sandhausen und Wacker Burghausen. „Die Vereine aus dem Süden können wir noch nicht so einschätzen, ebenso wie die generellen Risiken der neuen Liga“, sagt Voigt. Mit der vom DFB geforderten Infrastruktur wie einem Stadion mit Platz für 10 000 Zuschauer und Rasenheizung sowie einem Leistungszentrum hatten die Braunschweiger keine Probleme, da sie bis 2007 in der Zweiten Liga spielten. Mit einem Etat von etwa sechs Millionen Euro zählt die Eintracht neben den Zweitligaabsteigern aus Aue, Jena, Paderborn, Offenbach sowie Fortuna Düsseldorf zu den Favoriten. Auch in der bundesweiten Liga wird es viele Derbys alter Rivalen mit vielen Zuschauern geben, nicht so gerne gesehen als Gäste werden hingegen die zweiten Mannschaften der Bundesligisten. Die Traditionsklubs haben durchgesetzt, dass sich lediglich vier davon für die 3. Liga qualifizieren durften – nur drei haben es allerdings geschafft.

Bis auf die Ausnahmen FC Bayern, VfB Stuttgart und Werder Bremen scheint die viel beschworene Nachwuchsförderung der Profiklubs Probleme zu haben. Ab der nächsten Saison ist die Anzahl der zweiten Mannschaften aber nicht mehr limitiert – und schon geht die Angst bei den Traditionsklubs um, in Zukunft nur noch unattraktive Gegner zu haben, die nicht einmal eigene Fans mitbringen. In der neuen, dreigeteilten vierten Liga, die jetzt Regionalliga heißt, sind 22 von 60 Mannschaften Zweitteams. Wobei es auch aktuelle Ängste vor denen gibt, die in dieser Saison kommen werden, denn Klubs wie beispielsweise Dynamo Dresden haben viele gewaltbereite Anhänger, die jetzt durch ganz Deutschland reisen.

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