Dritter Aufstieg in Folge im Visier : RB Leipzig startet in die Zweite Bundesliga

Die Nummer eins im Konzern sind wir: Bei der Bundesliga-Mission des Zweitligisten RB Leipzig muss auch der Schwesterklub Salzburg mithelfen. Der Aufstieg ist heute beim Start noch nicht das Ziel, aber am Ende möglich.

Guido Schäfer
Sing mei Sachse sing. Leipzig freut sich nach 16 Jahren Abstinenz wieder auf Profifußball.
Sing mei Sachse sing. Leipzig freut sich nach 16 Jahren Abstinenz wieder auf Profifußball.Foto: picture alliance / dpa

Als die Marketing-Abteilung von Red Bull im Sommer 2013 den Slogan „Ab durch die Dritte“ unters Volk brachte, bekam Coach Alexander Zorniger Hitzewallungen. Der hatte gerade den Relegations-Krimi gegen die Sportfreunde Lotte überlebt und konnte mit der leichtfüßigen Wegweisung aus Österreich nichts anfangen. Zorniger verlangte Demut, sprach von „vielen Widerständen“, die ihm und den Seinen allwöchentlich das Leben schwer machen werden. Da brauchte es für die verhassten „Dosenteufel“, „Red Nullen“ und „Scheiß-Millionäre“ keinen zusätzlichen Druck aus dem eigenen Stall.

Doch Zorniger und seine Spieler schafften es trotz des Slogans und des Drucks durch die Dritte Liga. Am 3. Mai feierten 42 713 Zuschauern in der Leipziger Arena ein 5:1 gegen Saarbrücken. Der 46-jährige Zorniger war ein Held und Leipzig war zurück auf der großen Fußball-Landkarte. Nach 16 Jahren im Unterholz, nach zig Insolvenzen Leipziger Traditionsclubs. Der neue Slogan dazu lautet etwas holprig: „Auf geht’s LEIP2!G“.

Leipzigs Fußball hatte zuletzt am 6. Juni 1993 gefeiert, als der VfB Leipzig Mainz 2:0 schlug und in die Bundesliga aufstieg. Damals hieß die Arena noch Zentralstadion und die 0,25-Liter-Dose Red Bull, die der Arena heute ihren Namen gibt, war in Deutschland noch Bückware. Damals ahnte kein Mensch, dass es direkt zurück in die Unterliga gehen und 1998 sogar der Abstieg in die Drittklassigkeit folgen sollte.

Nun also erlebt Leipzig seine Rückkehr in den Profifußball. Der dritte Aufstieg in Folge steht offiziell in dieser Saison zwar noch nicht auf der Agenda, kann aber eingedenk eines jetzt schon konkurrenzfähigen Kaders und nahezu unbegrenzter Möglichkeiten für Nachbesserungen nicht ausgeschlossen werden.

Nicht zu jedermanns Gefallen allerdings, denn viele sehen ob des Erfolgs der Betriebsmannschaft von Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz das Fußball-Abendland in Gefahr. So mussten etwa Schalke und Stuttgart Testspiele wegen Fanprotesten absagen. Das Magazin „11Freunde“ hält gar einen Stadion-Besuch für überflüssig: „Wer die Atmosphäre in der Arena elektrisierend findet, hält sicher auch beim siebten Besuch von Starlight Express die Spannung kaum aus.“

Immerhin ist der Klub ein wenig auf die Anforderungen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) eingegangen. Das Logo mit den roten Bullen wurde geringfügig geändert, außerdem kann man nun für 100 statt bisher 800 Euro jährlich Mitglied werden. Mitgliederversammlungen sind allerdings weiterhin nicht vorgesehen.

Dennoch fliegen die Leipziger auf RasenBallsport, wie sich der Verein wegen des Sponsornamenverbots in Deutschland offiziell nennt. 36 000 Zuschauer waren beim Test gegen Paris St. Germain dabei, zum heutige Zweitliga-Auftakt gegen den VfR Aalen (13 Uhr) werden über 25 000 Zuschauer erwartet. Eine Zahl, die auch als Saisonschnitt realistisch ist. Der Dauerkartenverkauf hat sich von 3500 auf 7000 verdoppelt. „Die Entwicklung der Zuschauerzahlen ist sensationell, wir gehen weiter unseren Weg“, sagt Red Bulls Sportdirektor Ralf Rangnick „Es geht nur mit harter Arbeit, einer Philosophie und Beharrlichkeit.“ Und mit dem Geld von Mateschitz – das behandelt der Schwabe Rangnick, „als wäre es mein eigenes“.

Der 56-jährige Rangnick ist für Red Bulls Schwestervereine Salzburg und Leipzig zuständig. Er soll Salzburg in die Gruppenphase der Champions League lotsen und Leipzig „möglichst schnell“ in die Bundesliga. Dass das Projekt Leipzig wegen des wichtigen deutschen Markts aber längst die Nummer eins im Konzern ist, bestreitet keiner ernsthaft. Jüngster Beleg hierfür: Das belgische Ausnahmetalent Massimo Bruno wurde ebenso wie Marcel Sabitzer von Rapid Wien von Leipzig gekauft und in Salzburg geparkt. Beide gehören wie auch Salzburgs Kevin Kampl zu jenen Spielern, die wohl früher oder später in Leipzig auftauchen werden.

Nicht in Leipzig auftauchen wollen beim Auswärtsspiel am fünften Spieltag übrigens Teile des Anhangs von Eintracht Braunschweig, weil sie „eine Haltung“ haben. Die Aktion ist nicht frei von Ironie. Schließlich waren es die Braunschweiger, die einst mit Getränke-Werbung auf den Trikots ein Tabu brachen.

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