Sport : Drittklassiger Abschied von Europa

Bayern München bietet in der Champions League gegen Lens die Stammgäste von der Tribüne auf

Detlef Dresslein

München. Spätestens auf den zweiten Blick ist das letzte Vorrundenspiel der Champions League nicht mehr das unwichtigste Spiel des Jahres für den FC Bayern München. Nur vordergründig ist der Besuch des RC Lens eine quälende Pflicht, die noch mal die Pein des deutschen Rekordmeisters illustriert, künftig nicht mehr dazu zu gehören.

Aber für Ottmar Hitzfeld könnten sich bei Betrachtung seiner B-Elf, die eigentlich eine C-Elf ist und die am heutigen Abend auflaufen wird, sicher einige Schlüsse ziehen. Mit wem kann er die bereits jetzt schon verkorkste Saison retten und mit wem kann er (wenn er darf) womöglich auch die fernere Zukunft angehen. So werden Jünglinge wie Markus Feulner beweisen dürfen, wie gut sie sind und bei Spielern wie Pablo Thiam, Alexander Zickler und Niko Kovac wird sich herausstellen, ob man sie schon in der Winterpause feilbieten wird. „Es werden alle, die zuletzt nicht gespielt haben, zum Zug kommen. Da wird man dann sehen, auf wen man künftig bauen kann. Das ist eine Charakterfrage und eine Frage der Ehre“, sagt Hitzfeld. Geschont werden auf jeden Fall Mehmet Scholl, Oliver Kahn und Giovane Elber. Wegen Verletzungen nicht dabei sind Ze Roberto (Muskelfaserriss), Willy Sagnol und Michael Tarnat (Adduktoren) sowie Sammy Kuffour (Magenprobleme), Owen Hargreaves (Wade) und auch Michael Ballack, der Probleme mit dem Sprunggelenk hat.

Auch Hitzfeld selbst steht in einer quasi dritten Bedeutungsebene noch unter Beobachtung. Durch die letzten Erfolge, dem Weiterkommen im Pokal und dem Sieg gegen Dortmund in der Bundesliga, hat er zwar das Ärgste zunächst abwenden können. Aber sollte sich die Mannschaft gegen Lens wieder ähnlich desolat geben wie schon des öfteren in dieser Saison, wird auch der leitende Angestellte Hitzfeld von den Herren Hoeneß und Rummenigge sicherlich ein paar Nachfragen bekommen. In die Richtung, ob er die Mannschaft wirklich noch im Griff hat.

Die Münchner Fans wird das alles wenig interessieren. Weil der spätere Anstoß traditionell abschreckt, hat das in der Champions League schon für manche Ernüchterung gesorgt. „Ich freue mich über jeden Zuschauer, aber vielleicht können wir jeden mit Handschlag begrüßen“, befürchtet Hitzfeld.

Derweil kosten Uli Hoeneß, die offizielle „Abteilung Attacke", und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge das Ende ihres Schweigegelübdes weiter voll aus. Als nächstes bekamen die externen Kritiker die Meinung gesagt. Hoeneß bescheinigte etwa Lothar Matthäus, dass er beim FC Bayern bis auf weiteres „nicht mal einen Job als Greenkeeper“ bekomme. Rummenigge richtete an den munteren Franken, wie auch an Udo Lattek und Paul Breitner: „Wir lassen uns das nicht gefallen.“ Was die Attackierten davon halten, war vorhersehbar. Während Matthäus immerhin ein wenig traurig war („Das hat mich verletzt“) wurde Udo Lattek deutlich: „Ich schreibe, was ich will. Was der Hoeneß darüber denkt, ist mir wurscht.“ Man ahnt es schon: Auch wenn es Hoeneß und Rummenigge gerne anders hätten – das Lustspielhaus FC Bayern wird weiterhin interessante und amüsante Darbietungen geben.

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