Sport : Drohen, klagen, tuscheln

Nach fünf Niederlagen in sechs Spielen sucht der VfB Stuttgart nach einem Weg aus der Krise

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Krisen im Fußball ähneln sich. Irgendwann wird immer gedroht. Mit der Verbannung auf Bank und Tribüne, mindestens aber mit intensiven Einzelgesprächen und Konsequenzen. Es wird getuschelt, ob der Trainer noch der richtige Mann sei, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Begleitet wird das Ganze von aufmunternden Worten des gegnerischen Trainers, der dem kriselnden Kontrahenten Mut zuspricht, wie es am Sonnabend Jupp Heynckes tat, der fast länger über den VfB Stuttgart sprach als über seine Leverkusener Siegermannschaft. Spätestens nach dem 1:4 gegen Bayer, der fünften Niederlage im sechsten Saisonspiel, haben die Stuttgarter all diese Punkte abgeklappert.

Trainer Christian Gross kündigte an, die Mannschaft für die Europa League in Odense am Donnerstag zu verändern und am Sonntag gegen Eintracht Frankfurt erneut umzubauen. Manchem bekomme die Doppelbelastung nicht, sagte der Schweizer. Manager Fredi Bobic kündigte Einzelgespräche an und meinte, er lasse das Argument der Doppelbelastung nicht gelten, ohne dabei direkt Bezug auf Gross zu nehmen. Er stand dabei gerade mal drei, vier Meter von seinem Trainer entfernt. Offensichtlich gibt es beim Tabellenletzten innerhalb der sportlichen Leitung höchst unterschiedliche Sichtweisen über die Gründe der Krise und mögliche Auswege, was die Lage am Neckar nicht übersichtlicher macht. Einig sind sich Bobic und Gross darüber, „dass wir in einer ernsten Situation stecken“ (Gross). Viel darf wohl nicht mehr passieren, bevor als Nächstes der Trainer offen als Krisenmanager infrage gestellt wird. „Jetzt helfen nur noch Siege“, sagte Bobic. Im Umfeld des Klubs fällt bereits der Name Christoph Daum als Nachfolger für Gross.

Vorerst aber kämpft der Trainer und klagt über den plötzlichen Managerwechsel im Sommer. Ausgerechnet in der heißen Phase der Saisonvorbereitung und fälliger Transfers hatte Horst Heldt seinen Abgang nach Gelsenkirchen verkündet. Der Klub brauchte für Gross’ Geschmack eine Spur zu lange, um die Lücke zu schließen. Fredi Bobic wurde erst Wochen nach Heldts Abschied installiert. Der VfB muss sich die Kritik gefallen lassen, dass er die zunächst propagierte Linie, auf junge Spieler zu setzen, verlassen hat. Der junge Sebastian Rudy wurde für rund vier Millionen nach Hoffenheim verkauft, man stattete sich mit erfahrenen Kräften wie dem 34-jährigen Mauro Camoranesi aus. Camoranesi ist längst noch nicht integriert, was Gross durch die Verzögerungen in der Kaderplanung erklärt. Die ebenfalls späten Zugänge Philipp Degen und Johan Audel sind verletzt. Gegen Leverkusen sah Camoranesi nach 31 Minuten wegen einer Notbremse gegen Tranquillo Barnetta die Rote Karte.

Vehement hatte Gross für einen erfahrenen Torwart plädiert und war nicht begeistert, als man ihm den 22 Jahre alten Sven Ulreich – nach vorherigen Patzern gegen Leverkusen noch der beste Stuttgarter – als Nummer eins nahelegte. Gross hatte eigentlich auf gleichwertigen Ersatz für Führungskräfte wie Jens Lehmann und Sami Khedira gepocht. Schon am Rande der Europa-League-Partie gegen Bern hatte der Schweizer durchblicken lassen, hier sei nicht unbedingt seine Mannschaft am Start, dem Team fehlten Typen. Auch Christian Gentner, als Schaltzentrale vorgesehen, war nicht sein Wunscheinkauf, sondern der von Heldt. Auch am Sonnabend war Gentner zusammen mit Zdravko Kuzmanovic gegen klar dominierende Leverkusener überfordert.

„Das war das zweite Mal, dass wir eine katastrophale erste Hälfte gezeigt haben“, sagte Bobic. Die Stuttgarter lagen bereits nach 21 Minuten 0:2 zurück. Danach wehrten sie sich nicht, sondern ließen die Dinge lethargisch über sich ergehen „Das war ein schwarzer Tag. Aber ich stelle mich auch heute vor die Mannschaft“, sagte Gross und wirkte dabei nicht sehr überzeugt.

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