Sport : Druck im Team

Sechs Niederlagen aus acht Spielen – wie Albas Basketballer mit der schwierigen Situation umgehen

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Martynas Mazeika sprintet mit dem Ball auf den Korb zu. Der Aufbauspieler von Alba Berlin setzt zum Korbleger an. Doch genau in dem Moment, in dem seine Hand den Basketball verlässt, kracht es. Michael Wright, Tanel Tein und Gerald Brown stürzen sich von hinten auf Mazeika. Der Litauer fällt hart auf den Boden, der Ball hüpft zurück ins Feld. „Weiter geht’s“, ruft Trainer Emir Mutapcic. Und das Spiel geht weiter.

Szenen wie diese waren beim gestrigen Training von Alba Berlin in der Max-Schmeling-Halle keine Seltenheit: Nach dem Uleb-Cup-Spiel bei Gravelines Dünkirchen, das die Berliner vor allem durch eine schwache Defensvie 98:103 verloren hatten, wirkten die Spieler angespannt. Gerade in der Verteidigung wollte keiner eine Schwäche zeigen. „Das ist ja das Verrückte“, sagt Tanel Tein. „Im Training spielen wir regelmäßig so hart wie heute. Nur schaffen wir es nie, das auf die Spiele zu übertragen.“ Der Flügelspieler beißt die Zähne fest zusammen und fügt zischend hinzu: „Wenn wir das nicht abstellen, sieht es ganz schlecht aus.“

Die Defensive ist also das Problem. Vor allem deshalb konnte Alba nur zwei der letzten acht Spiele gewinnen. Die Verteidigung war auch in der vergangenen Saison das Problem, als Alba nach sieben Jahren erstmals nicht Deutscher Meister wurde. Sechs neue Spieler wurden deshalb geholt, und bei allen wurde vorrangig auf eines geachtet: Die Defensiv-Qualitäten. Matej Mamic beispielsweise ist bei Cibona Zagreb in der vergangenen Saison zum besten Verteidiger der kroatischen Liga gewählt worden. Weshalb können die Spieler ihr Potenzial in der Abwehr nicht abrufen?

Der Mannschaftskapitän Mithat Demirel sieht vor allem ein Problem: „Wir verteidigen nicht als Mannschaft. Jeder ist darauf bedacht, dass sein Gegenspieler keine Punkte erzielt.“ So wie in der vergangenen Saison? „Das kann man überhaupt nicht vergleichen“, sagt der Nationalspieler. „Die Basis ist in dieser Saison eine andere, wir verstehen uns gut.“

Bis vor gut einem Monat schienen Albas Mannschaftsteile zu funktionieren. In der Bundesliga waren die Berliner Zweiter, im Uleb-Cup führten sie ihre Gruppe mit vier Siegen souverän an. „Da hatten wir dieselben Probleme auch. Nur haben wir trotzdem irgendwie gewonnen“, sagt Demirel. „Deshalb überrascht mich die jetzige Situation auch nicht so.“

Präsident Dieter Hauert will noch das Spiel am Samstag in Trier abwarten, bevor er persönlich eingreift. „Dann werde ich mich vor die Mannschaft stellen und sagen: ’Freunde, so geht es nicht weiter’.“ Alle Spieler müssten sich nun fragen, was sie besser machen können. Und der Trainer? „Der zwar als Letztes – aber auch er muss sich nun intensive Fragen gefallen lassen. Zur Debatte steht er deshalb aber nicht.“

Trainer Emir Mutapcic geht mit dem gestiegenen Druck auf seine Person scheinbar gelassen um. „Dafür bin ich Profi“, sagt er. „Natürlich ist die Situation nach Siegen eine andere als nach Niederlagen. Aber so ist mein Job.“ Mutapcic versucht nun, den Spielern vor allem im mentalen Bereich zu helfen. Seiner Meinung nach hat ein Trainer „zu einem Drittel Anteil daran, wie ein Team spielt“.

Mutapcic sollte seine Mannschaft möglichst schnell aufrütteln. In der Bundesliga sind die Berliner nach 13 Spieltagen Vierter. Dort hält sich der Schaden noch in Grenzen, da die ersten acht Mannschaften die Play-offs erreichen. Vor drei Jahren wurden die Berliner sogar als Tabellenfünfter noch Deutscher Meister. Doch im Uleb-Cup gibt es keine Play-offs. Hier muss Alba die nächsten beiden Spiele gewinnen, am kommenden Mittwoch gegen Paok Saloniki und eine Woche später in Charleroi, um das Saisonziel Achtelfinale noch zu schaffen. „Es wird schwer“, sagt Tanel Tein. „Aber mit guter Verteidigung schaffen wir das.“

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