DTM : Ein bisschen Formel 1

Mehr Überholmanöver, mehr Show, mehr Action : Die generalüberholte DTM bietet einen spannenden Saisonauftakt. Mit dabei: Jede Menge Prominenz aus der Formel 1.

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Mehr Action: Der Schwede Mattias Ekström vom Audi Sport Team Abt Sportsline fuhr zwischenzeitlich ohne Motorhaube.
Mehr Action: Der Schwede Mattias Ekström vom Audi Sport Team Abt Sportsline fuhr zwischenzeitlich ohne Motorhaube.Foto: dpa

Hockenheim - Nachdem Christian Vietoris aus dem Auto gestiegen war, musste er sich erst mal nach dem Rennausgang erkundigen. „Ich hatte während des Rennens keine Ahnung, wo ich eigentlich liege“, sagte er. Die Antwort für ihn war erfreulich: Beim Auftaktrennen des Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM) war der Mercedes-Pilot Dritter geworden.

Mehr Überholmanöver, mehr Show, mehr Action – so soll die DTM künftig aussehen. In Hockenheim gab es von allem eine ganze Menge. Das spannende Rennen gewann der Brasilianer Augusto Farfus, der aus der ersten Reihe gestartet war. Wie unberechenbar die neue DTM ist, zeigte sich aber auch am Zweitplatzierten. Farfus’ BMW-Markenkollege Dirk Werner war aus der vorletzten Startreihe nach vorne gekommen. Beim Würzburger war am Samstag im verregneten Qualifying nichts gelaufen. „Ich war echt deprimiert, ich hatte heute früh gar keine rechte Lust, an die Strecke zu kommen“, sagte er. „Echter Wahnsinn, dass sich das so schnell umdrehen kann, aber ich konnte die anderen ziemlich leicht überholen.“

Die Renovierungsarbeiten in der DTM waren nötig geworden, weil das Publikumsinteresse in der Vergangenheit spürbar nachgelassen hatte. So gingen etwa die Fernsehquoten 2012 erkennbar zurück. Deshalb handelte man nun und lehnte sich dabei stark an die Formel 1 an. Wie beim großen Vorbild gibt es nun erstmals verschiedene Reifenmischungen, dazu das bekannte DRS-System, das mit einem per Knopf einklappbaren Heckflügel mehr Überholmanöver hervorbringen soll. Außerdem wurde mehr Spielraum für Strategien geschaffen, indem der Zeitraum für Boxenstopps erweitert wurde. Und das System funktionierte im badischen Motodrom schon einmal so gut, dass sich erst bei Rennmitte der BMW-Fahrer Farfus als potenzieller Sieger herauskristallisierte. „Das war eines der tollsten Rennen, das ich je gefahren bin“, sagte er danach. „Ich glaube, das hat allen Spaß gemacht.“

Zumindest jenen, die den Überblick behielten. Das fiel manchmal ziemlich schwer. Auch die Piloten gaben zu, zeitweise schon genaue Anweisungen ihrer Teams benötigt zu haben, „um zu wissen, gegen wen ich jetzt wirklich kämpfen muss und gegen wen nicht“, wie Farfus feststellte.

Diese neue Show will die DTM jetzt auch mit einer groß angelegten Marketing-Kampagne unter die Fans bringen. Zum Auftakt gewann man dafür jede Menge Prominenz. So schaute Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel bei seinem alten Formel-1-Kumpel und BMW-Neuzugang Timo Glock an der Box vorbei. Auch die Formel-1-Piloten Nico Rosberg und Nico Hülkenberg tauchten im Fahrerlager auf, ebenso wie der ehemalige Weltmeister Damon Hill und Gerhard Berger, für das Showprogramm sorgte der Berliner Songwriter Tim Bendzko. Nach offiziellen Zahlen honorierten 87 000 Zuschauer am Wochenende im Motodrom diese Anstrengungen, auch wenn ein Rundblick vor Ort diese Zählung doch ein bisschen optimistisch erscheinen ließ.

Bis 2016 will die DTM ihr neues Konzept weltweit verbreiten. In den USA und Japan sollen Rennserien nach ihrem Vorbild aufgebaut werden, so dass es dann zu einer echten Weltmeisterschaft mit einem großen internationalen Finale kommen soll. Karin Sturm

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