Duell der Hooligans : Die Angst geht um in Warschau

Die ausgelassene Stimmung des EM-Auftakts in Warschau ist wie weggeblasen. Die polnische Hauptstadt erzittert stattdessen vor dem Spiel Polen gegen Russland.

Paul Flückinger

Bis zu 50 000 russische Fans werden laut Schätzungen zu dem Spiel erwartet. „Es herrscht eine angespannte Stimmung“, warnt Aleksander Schprygin, der Chef der Allrussischen Fußball-Fan-Union. Bereits im Vorfeld war es zu Provokationen gekommen. So wurde in Russland das Gerücht kolportiert, das Tragen von T-Shirts mit Sowjet-Emblemen würde in Polen bestraft. „Dann lasst uns ihnen zuleide Hammer und Sichel, Lenin und Stalin zeigen“, hieß es daraufhin auf russischen Fanseiten im Internet. „Lasst uns schauen, wie die Polen uns alle verhaften!“, höhnten die Fans der russischen Sbornaja weiter. Tatsache allerdings ist, dass das polnische Verfassungsgericht ein solches Gesetz schon vor Jahresfrist gekippt hat. Das polnische Außenministerium sah sich dennoch genötigt, den russischen Fußballfans nahezulegen, auf Sowjetsymbole zu verzichten. Um die angeheizte Stimmung etwas zu beruhigen, hat die Stadt Warschau am Wochenende einen Marsch von 10 000 russischen Fans über eine Weichselbrücke ins Nationalstadion schließlich bewilligt. Die Fans wollen auch wegen des russischen Nationalfeiertags so ihre Nationalelf unterstützen. „Der Marsch hat keinen politischen Nebensinn“, unterstreicht Schprygin.

Allerdings gab es auch ohne Politik bereits genug Probleme mit russischen Fans bei der EM in Polen. Beim Spiel Russland gegen Tschechien am Freitag in Breslau hatten russische Fans Rauchbomben aufs Spielfeld geworfen und einen Helfer krankenhausreif geschlagen. Die Uefa hat inzwischen ein Verfahren gegen den Russischen Fußballverband eingeleitet. Ohne Probleme verlief derweil am Sonntag ein Aufmarsch jener polnischen Kreise, denen ebenfalls an Provokation gelegen ist. Unmittelbar unter dem Hotel der russischen Nationalelf in Warschau demonstrierten Anhänger des Oppositionsführers Jaroslaw Kaczynski für eine Aufklärung des Flugzeugabsturzes von Smolensk am 10. April 2010, der ihrer Meinung nach ein von Putin geplantes Attentat war. „Präsidentenmord in Russland“ und „Gebt uns das Wrack zurück“, hieß es auf ihren Transparenten. Die Russen bewahrten kühlen Kopf und legten wenig später ihrerseits einen Kranz für die Absturzopfer von Smolensk nieder.

Im Internet jedoch kursieren wortgewaltige Aufrufe polnischer Hooligans zu einer „Schlacht um Warschau“ am Dienstag. Wie im Jahre 1920 die Bolschewiken, sollen diesmal die russischen Fans geschlagen werden. Polens Sicherheitskräfte bereiten sich derweil auf stundenlange nächtliche Straßenschlachten vor.

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