Sport : Duell der Konzepte

Wenn Hamburg auf Hertha trifft, begegnen sich verschiedene Modelle: schneller Erfolg und Langfristigkeit

Mathias Klappenbach,Stefan Tillmann

Berlin - Falls Hertha BSC heute beim Hamburger SV gewinnt, übernehmen die Berliner die Tabellenführung in der Bundesliga. Der HSV wäre dann mit zwei Punkten erst einmal unten in der Tabelle und hätte trotz der geglückten Qualifikation für die Champions League ein Problem. Das ist nur Gedankenspiel, und allzu wahrscheinlich scheint es auch nicht. „Wir standen lange Zeit vor dem HSV, aber er hat viel investiert und ist jetzt einer der Topklubs der Bundesliga“, sagt Herthas Manager Dieter Hoeneß. Hertha dagegen verfolgt nach finanziellen Problemen ein langfristig angelegtes, bescheideneres Konzept.

Aktuell deutlich wird der Unterschied zwischen den beiden Vereinen, den man vor einigen Jahren noch mit unterschiedlichen Rollen erwartet hätte, an den jüngsten Personalplanungen. Bei dem Champions-League-Teilnehmer soll heute der in dieser Woche verpflichtete holländische Nationalspieler Joris Mathijsen Herthas neuen Stürmer Christian Gimenez stoppen. Der Innenverteidiger vom AZ Alkmaar kostete sechs Millionen Euro Ablöse, Hertha bezahlt 300 000 Euro Leihgebühr für Gimenez. Der zweite Neuzugang im Sturm, der 22 Jahre alte Kroate Srdjan Lakic, kostete 500 000 Euro Ablöse.

Neben den neuen Angreifern könnte auch Hertha noch einen Innenverteidiger gebrauchen. Doch Spieler wie Hamburgs Mathijsen kann sich Hertha nicht leisten. In der vergangenen Woche staunten die Zaungäste beim Training über den Unbekannten mit der Nummer 34, der zwei platzierte Bälle aus 16 Metern ins Toreck setzte. Erst langsam sprach sich sein Name rum: Rade Novkovic. Der 26 Jahre alte Verteidiger spielte diese Woche zur Probe vor. Nun ist Novkovic wieder weg, ob er wiederkommt, wollen die Verantwortlichen noch klären. Nach dem Einzug in den Uefa-Cup ist Hertha mit Dick van Burik und Josip Simunic in der Innenverteidigung dünn besetzt. Dahinter fehlt der Ersatz – zumal Alexander Madlung zum VfL Wolfsburg gewechselt ist. Auf Christopher Samba baut Götz derzeit jedenfalls nicht. Der 22-Jährige durfte zwar im UI-Cup gegen FK Moskau spielen, weil Simunic nach der WM geschont wurde. Danach saß der Franzose wieder auf der Bank. Als Simunic gegen Wolfsburg gesperrt war, versetzte Falko Götz lieber Rechtsverteidiger Arne Friedrich in die Innenverteidigung. Auf der rechten Seite spielte der 23-Jährige Sofian Chahed, wie auch beim Uefa-Cup-Qualifikationsspiel bei Ameri Tiflis. In Georgien schonte Falko Götz den 43-maligen Nationalspieler Friedrich. Der Trainer weiß, dass die Spiele noch schwieriger werden.

Beim Länderspiel Italien gegen Kroatien vor anderthalb Wochen saß Falko Götz in Livorno auf der Tribüne und beobachtete Dario Knezevic, einen Innenverteidiger von NK Rijeka. „Das sind Spieler, die auf der Liste stehen und die wir routinemäßig beobachten“, sagte Götz. Der Probespieler Rade Novkovic wurde den Berlinern angeboten, weil sein Verein Rad Belgrad wegen einer Liganeugliederung absteigen musste. Egal, ob Hertha noch Spieler verpflichtet – der Unterschied zum Hamburger SV wird vorerst bestehen bleiben. Denn die Hamburger geben zwar vergleichsweise viel Geld für ihre Spieler aus, dafür sind diese aber auch noch jung und entwicklungsfähig. Der neue, für acht Millionen Euro verpflichtete Abwehrchef Vincent Kompany ist erst 20 Jahre alt, Kapitän Rafael van der Vaart 23. Dafür hat der HSV Leistungsträger wie Daniel van Buyten oder Khalid Boulahrouz gegen viel Geld abgegeben.

„Die Zukunft spricht für uns“, sagt Dieter Hoeneß trotzdem. Er verweist auf Herthas langfristig angelegte Nachwuchsförderung und fragt sich, ob die Hamburger „diese Entwicklung durchhalten können. Es wird interessant sein zu sehen, welches Konzept sich auf lange Sicht durchsetzt.“ Das entscheide sich aber nicht heute. Heute geht es für Hertha lediglich um die Tabellenführung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben