Sport : Duell mit Dauer

Die Radprofis Jan Ullrich und Lance Armstrong könnten in Zukunft öfter aufeinander treffen

Mathias Klappenbach

Berlin. In den nächsten Tagen gibt es das große Duell schon einmal zur Probe. Lance Armstrong und Jan Ullrich radeln bei der Murcia-Rundfahrt bis zum Sonntag ein bisschen nebeneinander her, so wie das in der Trainingsphase nicht anders zu erwarten ist. Es ist Zufall, dass sich die beiden großen Radstars in Spanien treffen, und eine gute Gelegenheit, Werbung zu machen für den Showdown im Juli. Armstrong kokettiert mit Rücktritt und stichelt gegen seinen Rivalen und dessen Team, Ullrich zeigt sich demonstrativ unbeeindruckt. Vorgeplänkel.

Es sind ja auch noch vier Monate Zeit bis zur Tour de France, der Mutter aller Rundfahrten. Jener Veranstaltung, der eine 20 Kilometer lange Werbekarawane vorausfährt, die über 10 Millionen Präsente an die 15 Millionen Zuschauer an der Strecke verteilt. Und die drei Wochen lang weltweit im Fernsehen übertragen wird, viele Stunden täglich. Der Monopolist Tour de France hat sich vom Rest des professionellen Radsports in den vergangenen Jahren noch mehr entfernt als früher; die nur dafür trainierenden Armstrong und Ullrich ebenso.

Den sich das ganze Jahr über abmühenden Sieger des Weltcups, Paolo Bettini, kennt außerhalb der Fachwelt kaum jemand. Doch das soll sich ab dem kommenden Jahr ändern. Der Weltverband UCI plant einschneidende Reformen, die den Spitzen-Radsport in eine Art Profiliga verwandeln sollen. Der bisherige Weltcup und die Weltrangliste werden abgeschafft, die besten 20 Teams sollen die voraussichtlich 30 Rennen umfassende „Pro Tour“ ausfahren. In die geschlossene Serie können sich Mannschaften für jeweils vier Jahre einkaufen, wenn sie entsprechende sportliche und finanzielle Voraussetzungen erfüllen. Diese Teams sind dann verpflichtet, an allen Rennen teilzunehmen.

Jan Ullrichs T-Mobile-Team müsste dann, im Gegensatz zu diesem Jahr, auch bei der zweitgrößten Rundfahrt, dem Giro d’Italia, starten. Neben der Tour und der außerhalb Spaniens kaum mehr beachteten Vuelta würden auch die Eintages-Klassiker zum Programm der „Pro Tour“ zählen. An 180 Tagen im Jahr soll gefahren werden, einzelne Fahrer wie Jan Ullrich und Lance Armstrong müssten sich nach den derzeitigen Planungen an mindestens 60 dieser Tage auf dem Sattel blicken lassen, um beispielsweise an der Tour teilnehmen zu dürfen. Das steht aber noch nicht genau fest.

Die komplizierten Verhandlungen zwischen der UCI, den nationalen Verbänden, den einzelnen Veranstaltern der Rennen und den Teams sind noch nicht abgeschlossen. „Dieser Konzentrationsprozess ist notwendig, um mehr Planungssicherheit für Veranstalter und Sponsoren zu schaffen“, sagt Hans-Michael Holczer, der Manager des deutschen Teams Gerolsteiner. „Im Radsport gibt es ja keine Zuschauereinnahmen. Da könnte eine zentrale Vermarktung, beispielsweise der Fernsehrechte, Vorteile für alle Beteiligten bringen.“ Gerolsteiner hätte wie T-Mobile wohl keine Probleme, den Sprung unter die besten 20 Teams für die „Pro Tour“ zu schaffen. „Aber es darf auch nicht zu viel auf der Strecke bleiben“ sagt Holczer.

Die Veranstalter kleinerer Rennen und Rundfahrten haben schon Widerstand organisiert. Sie haben Angst um ihre Existenz. „Der Unterbau ist, wie in anderen Sportarten, wichtig. Vor allem junge Rennfahrer müssen weiter die Gelegenheit haben, unterhalb der Pro Tour an starken Rennen teilzunehmen“, sagt der Teamsprecher von T-Mobile, Olaf Ludwig. „Dass es bei dieser Runderneuerung des Radsports auch Verlierer geben wird, lässt sich leider nicht vermeiden. Aber die Reformen sind eine gute Sache“, sagt Ludwig, der wie Holczer auf eine bessere Vermarktung der Spitzenteams hofft.

Dafür müsste nicht nur Paolo Bettini bekannter werden, es müsste wohl auch öfter zu einem echten sportlichen Duell zwischen Lance Armstrong und Jan Ullrich kommen. Hans-Michael Holczer bezweifelt das allerdings noch: „Ullrich wird weiter im Frühjahr durch Spanien rollen, und von Armstrong wird auch nicht viel zu sehen sein.“

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