Sport : Duell mit dem Zweifel

Beim Supercup zeigt sich, dass die deutschen Handballer den Umbruch noch nicht geschafft haben

Hartmut Moheit[Bremen]

Es klang freundlich und aufmunternd. „Diese Mannschaft kann bald wieder Großes leisten“, sagte Irfan Smajlagic beim Handball-Supercup über das deutsche Team. Doch das nahm dem Kotrainer des Olympiasiegers Kroatien nicht jeder ab. Bundestrainer Heiner Brand jedenfalls ließ mit hochgezogener Augenbraue und einem vielsagenden Lächeln erkennen, was er von dieser Aussage hielt. Knapp drei Monate vor der EM in der Schweiz quälten Brand nach den Niederlagen beim Supercup gegen Kroatien und Russland eher Zweifel, ob eine deutliche Verbesserung bis Januar überhaupt noch zu erreichen ist. „Bei unserer derzeitigen Glückssträhne muss ich mit allem rechnen“, sagte er voller Ironie. Zur Erinnerung: Deutschland wird die Europameisterschaft als Titelverteidiger bestreiten und will außerdem noch Werbung in eigener Sache machen: 2007 findet in Deutschland die Weltmeisterschaft statt.

Wie das klappen soll? Ein wenig Ratlosigkeit ist schon zu beobachten angesichts der vielen Verletzten und der Diskussion um die Bundesliga. Wo ausländische Stars die Schlüsselpositionen besetzen, kann sich kaum ein Talent für das Nationalteam entwickeln. Deshalb herrschen dort Sorgen, wo eigentlich Zuversicht sein sollte. Da ist zum einen die Deckung, die bis zum Gewinn der olympischen Silbermedaille in der Mitte durch Petersen, Zerbe und Schwarzer als schwer überwindbares Bollwerk galt. Doch dieses Trio ist zurückgetreten, die Nachfolger Frank von Behren oder Oliver Roggisch, Andrej Klimowets und Pascal Hens haben noch längst nicht deren Klasse.

Sie kämpfen, jeder für sich vorbildlich, doch im Zusammenspiel können sie die Löcher nicht schließen. Vier gemeinsame Trainingseinheiten vor dem Turnier, das reicht keinem Team für eine Klasseleistung. Seit Herbst 2004, mit dem neunten Rang bei der WM in Tunesien als Tiefpunkt, hat sich die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes kaum weiterentwickeln können. „Wir haben den Umbruch noch nicht geschafft“, sagt Brand.

Mindestens ebenso negativ wie in der Abwehr wirkt sich das Fehlen eines Spielmachers im Angriff aus: „Was will man von Frank von Behren erwarten?“, fragt Heiner Brand. „In der Bundesliga wird er bei Gummersbach fast nur in der Deckung eingesetzt.“ Markus Baur, der bereits dreimal an der Achillessehne operierte Lemgoer, und sein Teamgefährte Daniel Stephan, sind nach Aussage von Brand „Spieler, die in entscheidenden Situationen auch einmal Ruhe reinbringen können“. Aber sie fehlen beim Supercup bislang ebenso wie Oleg Velyky, der sich vor dem Spiel gegen Kroatien am Knie verletzte. Als letzter Kandidat für die Rückraummitte wäre Michael Kraus in Frage gekommen, aber auch der war nicht einsatzfähig. „Einen wie Stefan Lövgren hätte ich gern“, sagt Brand. Von dem in Kiel spielenden Schweden ist der Bundestrainer besonders angetan. Worauf sich Brand verlassen kann, sind Außenspieler. Sie setzen das um, was sich Brand wünscht: „Ein Kampf um die Nummer eins auf der Position.“ Wie es auch unter den Torhütern der Fall ist zwischen Henning Fritz, Johannes Bitter und Carsten Lichtlein.

Jedes Spiel ist derzeit für die Deutschen von besonderem Wert. Dass es heute nur noch um Platz fünf gegen Weltmeister Spanien eine Chance bekommt und nicht im Halbfinale steht, dem dann noch ein viertes Spiel gefolgt wäre, ist angesichts der kurzen Zeit bis zur EM ungünstig. Eines hat Bundestrainer Heiner Brand auch schon beim Supercup gesagt: „Wir können ja nicht ausschließen, dass diese Mannschaft auch in der Schweiz spielt.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben