• Düsseldorf bewirbt sich um Start 2017: Mit AfD- und Republikaner-Stimmen zur Tour de France

Düsseldorf bewirbt sich um Start 2017 : Mit AfD- und Republikaner-Stimmen zur Tour de France

Nur dank Stimmen der Republikaner und AfD gibt es im Düsseldorfer Stadtrat eine Mehrheit für die Tour de France. Die Skepsis um die Bewerbung als Startort für 2017 bleibt.

Düsseldorf bewirbt sich um den Start der Tour de France 2017, hier ein Fanartikel-Verkauf in Utrecht.
Düsseldorf bewirbt sich um den Start der Tour de France 2017, hier ein Fanartikel-Verkauf in Utrecht.Foto: dpa

Die deutschen Top-Radprofis und ihr Präsident Rudolf Scharping sind begeistert. Für viele Politiker im Düsseldorfer Stadtrat hatte die knappe Mehrheit für eine offizielle Bewerbung der Stadt als Startort der Tour de France 2017 dagegen einen bitteren Beigeschmack. Denn trotz geheimer Abstimmung war offensichtlich: Nur Stimmen der Republikaner und der AfD verhalfen der Stadt-Regierung zu einer 40:39 Abstimmung pro Grand Départ im Juli 2017.
Jetzt muss die Tour-Direktion unter Christian Prudhomme ihr Placet geben - einen Zeitplan dafür gibt es nicht. Aber die Düsseldorfer Chancen sind nach dem Verzicht Londons aus finanziellen Gründen groß. Spätestens im Lauf der nächsten Tour, die am 2. Juli in Mont Saint-Michel in der Normandie startet, wird klar sein, ob Düsseldorf als vierte deutsche Stadt nach Köln (1965), Frankfurt/Main (1980) und West-Berlin (1987) Startort wird.
„Das ist ein schönes Signal der Politik, dass sich unsere Arbeit um mehr Glaubwürdigkeit des Radsports gelohnt hat“, sagte der dreifache Zeitfahr-Weltmeister und Träger des Gelben Trikots, Tony Martin, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Er sprach ausdrücklich auch für seinen neuen Teamkollegen Marcel Kittel und den Klassiker-Jäger John Degenkolb. Alle drei hatten das Image der einstigen Schmuddel-Branche nach endlosen Doping-Diskussionen hierzulande gehörig aufpoliert.

Scharping: "Der Radsport muss Skeptiker überzeugen"

Verbandspräsident Rudolf Scharping sprach in einer Stellungnahme des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) von einer „sehr guten Nachricht für die Stadt und für den Radsport in Deutschland“. Die denkbar knappe Entscheidung zeige aber auch, „dass der Radsport bei uns noch einiges tun muss, um auch Skeptiker von seiner Reputation zu überzeugen“.
Michael Vesper, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), nannte die Zustimmung in der „Rheinischen Post“ (Online-Ausgabe) „einen Beitrag zur internationalen Positionierung des deutschen Sports“.
Der tourbegeisterte Düsseldorfer Bürgermeister Thomas Geisel (SPD), der sich mit Prudhomme während der vergangenen Tour getroffen hatte, muss tief in die Tasche greifen. Die Gesamtkosten des finanziellen Abenteuers wurden auf „über sechs Millionen für die Stadt“ beziffert. Der Prolog soll am Rheinufer stattfinden, die erste Etappe am folgenden Tag im Düsseldorfer Zentrum starten. Die Tour wird von Freitag (Teampräsentation) bis Sonntag (Start 2. Etappe) in der Stadt sein.


Der Ertrag für die Stadt durch den Imagegewinn und die erwarteten Fan-Massen ist eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Die war beispielsweise London, bereits 2005 Ausrichter eines umjubelten Tourstarts, zu riskant. Zum Grand Départ in diesem Jahr hatten über zwei Millionen Menschen Utrecht in Ausnahmezustand versetzt und die Gastronomie frohlocken lassen. Auf solche Begeisterung hoffen jetzt auch die Tour-Befürworter in Düsseldorf. (dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben