Düsseldorfer EG : Eisbären-Gegner kämpft ums Überleben

-Tradition zum Verkauf: Nach dem Ausstieg des Geldgebers kämpft der Eisbären-Gegner vom Mittwoch, der Eishockey-Traditionsklub Düsseldorfer EG, ums Überleben.

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Vieles ist unklar. Zum Beispiel, wo es für die Spieler bei der DEG weitergeht. Viele verhandeln schon mit anderen Klubs.
Vieles ist unklar. Zum Beispiel, wo es für die Spieler bei der DEG weitergeht. Viele verhandeln schon mit anderen Klubs.Foto: picture alliance / dpa

Berlin - Am Montag war Derby im Düsseldorf. Endlich einmal konnten sie bei der Düsseldorfer EG für das Spiel gegen die Kölner Haie den Oberrang in der Arena im Stadtteil Rath freigeben. Das erste Mal in dieser Saison, sonst sind die roten Polstersessel im oberen Teil der 13 400 Zuschauer fassenden Halle seit Saisonbeginn nicht mehr zu sehen. Immerhin gut 10 000 Menschen wollten das Derby sehen.

Der Oberrang abgehängt bei der Düsseldorfer EG – was für ein Bild. Beim achtmaligen deutschen Eishockeymeister ist vieles verhangen: etwa, wie es nach der Saison weitergehen soll. Seit der Hauptsponsor, die Metro-Gruppe, verkündet hatte, sein Engagement beim Klub nach dieser Saison und nach zehn Jahren zu beenden, ist die Not existenziell. Auch wenn jetzt das passiert ist, wovon viele Klubs in der Deutschen Eishockey-Liga träumen. Der Mann mit dem Geldkoffer kam vorbei, ein Privatier spendete 700 000 Euro. Der generöse Mensch heißt Peter Hoberg und hält neun Prozent Anteile an der DEG GmbH. Hoberg sagt: „Ich bin seit vier Jahrzehnten DEG-Anhänger. Ich will einfach nicht, dass meine Marke verschwindet.“ Nun wolle er bei der Suche nach einem neuen Hauptsponsor helfen.

Andere haben den Mut schon verloren. Für Manager Lance Nethery ist nach der Saison in Düsseldorf Schluss, den Posten als Geschäftsführer hat der Kanadier bereits an Elmar Schmellenkamp abgegeben. Der hatte diesen Posten schon mal zehn Jahre inne. Der reaktivierte Rentner sagt nun auch, dass es Ziel sei, möglichst schnell Mäzene zu finden und die Schlüsselspieler zu halten. Sonst sind die guten Düsseldorfer Profis bald alle weg, viele verhandeln mit anderen Klubs. Nationalspieler Patrick Reimer wird schon mit Adler Mannheim in Verbindung gebracht.

Neue Sponsoren zu finden, das ist bei der DEG schwer, außer Tradition hat der Klub nicht viel zu bieten. Den letzten Meistertitel gab es 1996. Danach folgten ein zweijähriges Intermezzo in der Zweitklassigkeit, die Rückkehr in die DEL mit guten sportlichen Leistungen, aber auch der Umzug vom alten Stadion an der Brehmstraße in die neue Arena in Rath und damit der Zuschauerschwund. Die DEG ist nie in der neuen Halle angekommen. Bezeichnend war, dass ihre Fans den Umzug im Jahr 2006 in den Dome mit einem Trauermarsch von der maroden, aber geliebten alten Halle begleiteten. Die DEG, 1935 gegründet, und ihre Fans sind in die Jahre gekommen. Der Mief der großen Neunzigerjahre hängt in der neuen Arena.

Peter John Lee hat die glorreiche Vergangenheit maßgeblich mitgestaltet. Als Spieler gewann er in den Neunzigern vier Meistertitel mit der DEG. Sein Trikot hängt heute unter der Hallendecke im Dome, seine Rückennummer 12 wird in Düsseldorf nicht mehr vergeben. Der heutige Manager der Berliner Eisbären sagt: „Spieler in Düsseldorf zu sein, das war ein Wahnsinnserlebnis. Das Stadion an der Brehmstraße war immer voll.“ Die aktuelle Krise  gehe ihm nahe. „Die DEG kämpft um ihr Überleben. Aber wir brauchen Düsseldorf in der Liga.“

Immerhin garantiert der aussteigende Haupt- und Namenssponsor – bis Saisonende firmiert die DEG noch unter „DEG Metro Stars“ – dem Klub am Saisonende Schuldenfreiheit. Manager Nethery aber wird einen möglichen Neubeginn nicht mehr mitmachen. Er sei noch nie so lange bei einem Klub gewesen wie bei der DEG, und dann sei ein Neuanfang mit womöglich geringerem Spieleretat nicht seine Sache. Schon die aktuelle Mannschaft hat sportlich Probleme. Auf Platz acht liegen die Düsseldorfer nach 30 Hauptrundenspielen. Das Derby am Montag verlief auch nicht gut. Nach 3:1-Führung verloren die Düsseldorfer 3:4 gegen Köln. DEG-Trainer Jeff Tomlinson sagte: „Wir haben wieder einen Weg gefunden, das Spiel zu verlieren.“

Auch für Mittwoch sieht es nicht gut aus. Die Düsseldorfer treten bei den Eisbären an (19.30 Uhr). Das Spiel ist seit Tagen ausverkauft, 14 200 Zuschauer wollen aber wohl in erster Linie nicht die DEG, sondern die Eisbären sehen. Die Berliner sind eben das, was DEG in den frühen Neunzigerjahren war: Das Maß aller Dinge im deutschen Eishockey.

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