Sport : Düsteres Sittengemälde

Ein Buch über Fußball als schmutziges Spiel

Stefan Hermanns

Erlfried König aus Erlenmoos ist ein ehrgeiziger Mensch. Er hat hohe Ziele. Und wo kann man diese besser verwirklichen als im Fußball? König träumt davon, mit seinem Heimatklub, dem Bezirksligisten FV Olympia Laupheim, auf der großen Bühne auftreten zu dürfen. Und es sieht so aus, als könne König seinen Traum leben: Er engagiert Borussia Mönchengladbach zum Freundschaftsspiel, sogar die Bayern. Inzwischen sitzt Erlfried König im Gefängnis – wegen Untreue in Tateinheit mit Betrug. Um fast vier Millionen Euro hat er seinen Arbeitgeber betrogen, um auch ein bisschen am großen Rad mitdrehen zu dürfen.

Geschichten wie die von Erlfried König aus Erlenmoos erzählt Fred Sellin in seinem Buch „Das schmutzige Spiel“. Es geht um Beutelschneider, Selbstdarsteller und Dilettanten, um Gernegroße, Intriganten und Betrüger. Kurz: Es geht um den deutschen Fußball.

Fred Sellin liebt die plakative Botschaft und den Ton der Empörung. Dabei ist vieles von dem, was er in seinem Buch schildert, längst bekannt. Der Gewinn steckt im Detail. Sellins Verdienst ist es, dass er die vielen Skandale und Skandälchen in einen größeren Zusammenhang stellt und auf diese Weise ein düsteres Sittengemälde entsteht. Zur Desillusionierung reicht „Das schmutzige Spiel“ allemal.

— Fred Sellin: Das schmutzige Spiel. Intrigen, Skandale und Machenschaften im deutschen Fußball. C. Bertelsmann. 365 Seiten, 14,95 Euro.

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