Sport : Dumm angestellt

FC Energie verliert durch haarsträubende Abwehrfehler

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Von Detlef Dresslein

München. Die Ehrentribüne im Münchner Olympiastadion ist ein feines Plätzchen. Illustre Persönlichkeiten aus Sport (Boris Becker, Franz Beckenbauer), Politik (Edmund Stoiber, Franz Beckenbauer) oder Unterhaltung (Thomas Gottschalk, Franz Beckenbauer) tummeln sich dort regelmäßig. Am vorigen Samstag nahm auch der eher semi-prominente Fußballlehrer Eduard Geyer dort Platz. Eine DFB-Sperre verbot dem Trainer von Energie Cottbus beim Gastspiel bei Bayern München (1:3), seiner Arbeit am üblichen Platz nachzugehen. Auf der Tribüne hatte Geyer interessante Erkenntnisse: „Von dort sieht man mehr Fehler und Ungereimtheiten." Die Ungereimtheiten, die sich die Cottbuser in München erlaubten, hätte Geyer aber auch von allen anderen Plätzen im Stadion gut sehen können.

Das erste Gegentor, fünf Sekunden vor der Pause, könnte man noch der spielerischen Überlegenheit des Gegners zuschreiben. Eine schöne Freistoßkombination fand mit dem Tor von Zickler ihren verdienten Abschluss. Aber schon das zweite Tor durch Ballack musste man Cottbuser Unkonzentriertheiten anlasten. Das dritte Tor war dann nur noch peinlich: Ein weiter Einwurf von Tarnat auf Elber hebelte die Abseitsfalle aus. Dafür fand Eduard Geyer deutliche Worte: „Da haben wir nicht geschlafen, sondern tief, tief gegrunzt. So doof darf man sich nicht anstellen. Da kann ich auch meine Frau hinstellen, die passt besser auf." Auch sonst fielen die Cottbuser durch dilettantische Arbeit auf. Freistöße aus der eigenen Hälfte, die im Aus oder außer Sichtweite für den nächsten Mitspieler landen, gehören eher nicht in die Bundesliga. Die einzige Torchance neben dem Rink’schen Treffer war ein sinnfreier Vierzig-Meter Schuss von Reghecampf, der das Ziel um mindestens 15 Meter verfehlte. Wollte er damit Kahn überlisten oder eher belustigen? Selbst Neuling Paulo Rink, der als vereinsamter Stürmer inmitten der Bayern-Abwehrkette ein ordentliches, aber nutzloses Debüt gab, räumte hernach ein, dass sein Tor zum 0:1 Zufall war. „Es war keine Absicht, ich wollte flanken.“

Bayerns Thorsten Fink wunderte sich: „Die haben ja sogar nach dem 1:2 nur auf Halten gespielt.“ Und Trainer Geyer bestätigte: „Nach dem 1:2 war das Spiel für uns entschieden." Ohne die natürliche Überlegenheit des Gegners zu vergessen: Diese Cottbuser werden es schwer haben, sich in der Liga zu halten. Einzig die Darbietung von Torwart Tomislav Piplica ließ hoffen. Zu sagen, er sei bester Mann gewesen, wird ihm nicht gerecht, schließlich wäre schlechter zu sein als seine zehn Kollegen kaum möglich gewesen. Aber beim bayerischen Warmspielen für die Champions League hielt er in der zweiten Hälfte, was möglich war, und wurde von Eduard Geyer belobigt: „Es war eine richtige und gute Entscheidung, Piplica ins Tor zu stellen.“ Unter der Woche war über eine Ablösung des Torwarts spekuliert worden.

Eine Personalie wird Energie noch länger bewegen. Vasile Miriuta, einer der dem desolaten Spiel Ordnung und offensive Linie geben könnte, fällt mit seiner Knieverletzung noch weiter aus.

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