Sport : Dumm und dämlich verdienen

Politiker fordern gern Reformen. Wer mit einfachen Worten die Lösung komplizierter Probleme verheißt, vermittelt Kompetenz. Dabei soll es vorkommen, dass jenseits der Fachausschussebene oft nur wenige verstehen, worum es überhaupt geht. Oder können Sie auf Anhieb die Vorzüge der Riester-Rente skizzieren?

So einfach haben es die Macher im globalen Fußballgeschäft nicht. Natürlich sind sie nicht glücklich mit ihrer Champions League, die sich zäh über ein Dreivierteljahr durch die Saison zieht. Aber deswegen gleich eine Reform fordern? Gefährlich, gefährlich, denn diese Reform ließe sich zu leicht definieren: weniger Spiele oder weniger Teilnehmer oder beides zusammen.

Als erstes müsste die sportlich völlig überflüssige Zwischenrunde abgeschafft werden. Das Publikum nimmt diese millionenschwere Beschäftigunstherapie ohnehin nicht ernst. Zum Auftakt am Dienstag war nicht einmal das Spiel zwischen dem FC Bayern München und Manchester United ausverkauft.

Jahr für Jahr beklagen Spieler und Vereine die ständig zunehmende Belastung. Und doch denkt niemand ernsthaft daran, die Zwischenrunde abzuschaffen. Mit dieser Forderung würde sich jeder Manager dem Vorwurf des betriebsschädigenden Verhaltens aussetzen. Es gibt einfach zu viel Geld zu verdienen. Das liegt nicht nur am Konkurrenzkampf der privaten Fernsehanstalten, sondern auch an der ständigen Angst des europäischen Fußballverbandes Uefa davor, die großen europäischen Klubs könnten in Eigenregie eine Europaliga aufziehen. Dank dieser Konstellation hat sich in der Champions League noch jeder Zwischenrundenteilnehmer dumm und dämlich verdient. Und das völlig unabhängig vom Interesse des Publikums. Hertha BSC etwa hat in der Saison 1999/2000 30 Millionen Mark eingenommen, obwohl das Olympiastadion gerade in einem von sechs Champions-League-Heimspielen ausverkauft war.

Dennoch reden die Manager der großen Klubs Jahr für Jahr über eine Reform der Champions League. Immer im Herbst, wenn die Zwischenrunde beginnt. Diesmal stehen zwei Modelle zur Auswahl. Bei einem wird die Zwischenrunde gestrichen, beim anderen die Zahl der Teilnehmer von 32 auf 24 reduziert. Am Ende dürften sich alle Beteiligten zur Besänftigung des gelangweilten Publikums auf einen Kompromiss einigen: dass erst vom Jahr 2004 an mit 48 Mannschaften gespielt wird.

0 Kommentare

Neuester Kommentar