Sport : Dundee darf für DFB-Elf stürmen

Bundesliga-Torjäger des KSC möglicherweise schon gegen Israel im DFB-Kader Frankfurt/Main (sid).Starstürmer Sean Dundee vom Karlsruher SC wird Deutscher.Das Bundesinnenministerium (BMI) teilte am Dienstag mit, daß dem Antrag des Südafrikaners auf Einbürgerung stattgegeben wurde.Damit steht dem Einsatz des 24jährigen, der mit 13 Treffern die Bundesliga-Torjägerliste anführt, in der Nationalelf nichts mehr im Wege. "Sean Dundee hat gute Perspektiven im Hinblick auf die WM 1998 in Frankreich", hatte sich Bundestrainer Berti Vogts schon im Vorfeld geäußert.Vermutlich wird Dundee beim Testspiel am 26.Februar 1997 gegen Israel in Tel Aviv bereits zum Kader des Europameisters gehören. In einer offiziellen Pressemitteilung aus dem Auswärtigen Amt erklärte Außenminister Klaus Kinkel, Mitglied des KSC und bekennender Dundee-Fan, an seinem 60.Geburtstag: "Ich freue mich mit Sean Dundee, daß ihm nunmehr die Perspektive für die Aufnahme in die deutsche Fußball-Nationalmannschaft offensteht.Sein Einsatz wäre sicherlich ein Gewinn für den deutschen Fußball." Die Entscheidung sei "eine gute Nachricht für den deutschen Fußball." Mit seinem spielerischen Können, seiner Einsatzbereitschaft sowie seiner Fairness auf dem Feld begeistere der torgefährliche Stürmer "die Anhänger des Karlsruher SC sowie zahlreiche Fans in der ganzen Bundesliga". Dundee, der seine südafrikanische Staatsbürgerschaft verliert, erreichte die frohe Kunde zehn Tage nach seinem Geburtstag in Durban, wo er mit seinen Eltern das Weihnachtsfest verbringen wird.Sein Wunsch, Deutscher zu werden, hatte in seinem Heimatland zu einer wahren Hetzkampagne gegen ihn und seine Familie geführt.Während in Bonn das Verfahren lief, hatte Nationaltrainer Clive Barker Stimmung gegen Dundee gemacht.Mangelnder Vaterlandsstolz lautete ihr Vorwurf. Barker hatte anläßlich des Testspiels des Afrikameisters gegen Deutschland vergangenen Dezember versucht, Dundee zu einem Einsatz im Trikot der "Bafana Bafana" (Die Jungs) zu überreden.Vogts soll Dundee damals mit dem Hinweis auf einen möglichen Einsatz in der deutschen Elf davon abgeraten haben.Der Stürmer hatte Barker schließlich aufgrund einer Verletzung abgesagt. In Deutschland hatte das Verfahren eine Kontroverse über die vermeintlich bevorzugte Behandlung von Spitzensportlern bei der Einbürgerung ausgelöst.Politiker aller Fraktionen stritten sich, und das BMI trug dem in seiner Begründung Rechnung."Der Fall Dundee konnte wegen seiner persönlichen Besonderheit zustimmend geregelt werden; ein Beispiel für die Zukunft gibt er nicht", wird Innenminister Manfred Kanther laut Pressemitteilung zitiert. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte eigentlich erst im Januar mit einer Entscheidung des BMI gerechnet.Kanther hatte vor kurzem sowohl mit Vogts als auch mit DFB-Präsident Egidius Braun über den "Ausnahmefall Dundee" gesprochen.Braun hatte Kanther damals versichert, daß "es eine Zierde für die deutsche Nationalmannschaft wäre, einen Spieler vom Erscheinungsbild und Charakter Dundees in ihren Reihen zu haben". Der Sportminister verwies in seiner Begründung ausdrücklich darauf, "daß die Einbürgerung von ausländischen Spitzensportlern, noch dazu im hochbezahlten Fußball-Berufssport, auch deshalb eine seltene Ausnahme bleiben müsse, weil nicht weltweit neben dem finanziellen Wettlauf um Spitzenkönner nun auch noch das Paßrecht zum Werbefaktor werden dürfe".Ab 1997 wird das BMI nur noch zehn ausländischen Sportlern pro Jahr einen deutschen Paß gewähren.Eine Kommission des Deutschen Sportbundes (DSB) wird die Einbürgerungsanträge vorab sondieren.

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