Sport : Durchatmen bei leichtem Wind

Erstmals gewinnt ein deutsches Segelteam bei einem Rennen des America’s Cup

Ingo Petz[Valencia]

Was für ein Tag in Valencia! Es gab Wind und nicht nur das. Als Zugabe sogar einen Sieg für das erste deutsche America’s Cup-Team. Die chancenlosen Chinesen hatten United Internet Team Germany zum ersten Sieg verholfen, erwartungsgemäß. Überbordende Euphorie brach aber nicht aus im deutschen Lager. „Es fühlt sich gut an“, hatte Steuermann Jesper Band von Bord vermelden lassen. Und Michael Müller sagte nach den Rennen: „Das war nur ein Pflichtsieg.“ Im zweiten Rennen ging man wieder zur Tagesordnung über und verlor gegen Victory Challenge. Nach einer guten Start-Kreuz, auf der Bank noch versucht hatte, sein altes Team durch Wenden unter Druck zu setzen, wurde die Distanz zu den Schweden immer größer. Im Ziel waren es stattliche 56 Sekunden. „Bis zur ersten Kreuz fühlten wir uns mit unserer Bootsgeschwindigkeit sehr komfortabel“, sagte der dänische Stratege Michael Hestbaek. „Aber letzten Endes war es der schlechte Start, der uns die Chance genommen hat, noch einmal heran zu kommen.“ Auch heute dürfte kein zweiter Sieg für die Deutschen hinzukommen. Denn es geht gegen Mascalzone Latino aus Italien und Neuseeland.

Der Tagessieger hieß aus deutscher Sicht Tim Kröger. Der 42-Jährige Hamburger segelt auf der südafrikanischen Yacht von Shosholoza. Mittlerweile wird der vor drei Jahren als Spaßmannschaft gestartete Neuling zum gefürchteten Favoriten-Killer. Nachdem im ersten Rennen am Freitag schon beinahe das Team BMW Oracle geschlagen wurde, schlug Südafrika gestern in einem famosen Start-Ziel-Rennen Luna Rossa. Die Italiener gelten als Favoriten auf einen Halbfinal-Platz im Louis Vuitton-Cup. Kröger war glücklich über den Überraschungssieg: „Heute hat einfach alles gepasst. Der Start hat super funktioniert. Für uns als kleines Team ist dieser Sieg absolut fantastisch.“

Im zweiten Rennen des Tages hatte Südafrika die chancenlosen Chinesen geschlagen. Zusammen mit Mascalzone Latino (Italien) und Victory Challenge (Schweden) teilt sich Shosholoza nun den vierten Platz, während das deutsche Team den neunten Platz belegt. Am Dock vor dem Hauptquartier brandete der Jubel auf und es knallten die Champagner-Korken, als die RSA 83 nach ihrem überraschenden Triumph einfuhr. Das war das Erweckungserlebnis, das die Flauten gegängelte Regatta so dringend gebraucht hatte. Denn auch für die nächsten Tage gibt es keine Garantie auf Wind.

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