Sport : Durchs Hinterzimmer

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Die vermeintlichen Kriterien sind für jeden nachlesbar. Auf seiner Homepage listet der Basketball-Weltverband Fiba auf, nach welchen Gesichtspunkten er die vier Wildcards für die Teilnahme an der WM im kommenden Sommer in Spanien vergeben will. Demnach soll es unter anderem um die Popularität der Sportart im Bewerberland oder den Weltranglistenrang gehen. Der ehemalige Präsident des Deutschen Basketballbunds (DBB) und aktuelle Fiba-Schatzmeister, Manfred Ströher, hat das Vergabeverfahren jetzt allerdings als „eine ganz normale kaufmännische Angelegenheit“ bezeichnet: „Es gibt freie Plätze, sportlich hast du dich nicht qualifiziert, jetzt kannst du dich einkaufen.“ Gestern gab der DBB wie zuvor bereits der italienische Verband bekannt, am Wettbieten nicht teilnehmen zu wollen. Wer auch immer am nächsten Samstag durchs Hinterzimmer zur WM gelotst wird: Der Schaden, den die Fiba mit ihrer Methode angerichtet hat, bleibt.

Das Grundübel liegt im Vehikel der Wildcard. Egal welche Kriterien in welchem Wettbewerb angeblich angelegt werden: Stets bleibt ein seltsamer Beigeschmack. Sportliche Erfolge werden abgewertet, Intransparenz schürt Verschwörungstheorien. Dass die Fiba einerseits heuchlerisch Kriterien auflistet und andererseits freimütig von einem Kaufpreis von rund einer Million Franken spricht, entlarvt das Procedere als Farce. Der einzige Trost: Die Fiba hat ihren WM-Modus geändert, Wildcards werden abgeschafft. Bei der WM werden aber wohl noch die Teams finanzkräftiger Bewerber wie Russland, China oder gar Katar antreten, die Deutschen werden stattdessen in der Qualifikation für die EM 2015 spielen.

Diese EM wird übrigens von der Ukraine ausgerichtet. Alle anderen Bewerber hatten sich nach unklaren Vergabekriterien und dreisten finanziellen Forderungen des europäischen Fiba-Ablegers aus dem Hinterzimmer zurückgezogen.

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