Sport : Duschen im Saunaclub

Hütet euch vor dem Hotelwucher in der Ukraine. So wurden die Anhänger vor der EM gewarnt. Wir haben Fans gesprochen, die es anders gemacht haben. Sie haben Ukrainer getroffen, die ihnen Unterkunft boten. Preiswert, sicher und sehr unterhaltsam.

Zu Gast bei Freunden.
Zu Gast bei Freunden.

Vor der EM wurde in vielen Medien ausgiebig über den ukrainischen Hotelwucher berichtet. Dabei kann man den auch mit einem bisschen Mut und Kreativität umgehen. Und dann wohnt man in der Ukraine richtig günstig. Unser Autor Andreas Bock hat sich selbst davon überzeugt und Fans der deutschen Mannschaft zu ihren Erlebnissen befragt.

1. COUCHSURFING

Kristian Gruber, Stavanger (Norwegen)

„Ich bin schon einige Male mit der deutschen Nationalelf gereist. Lust auf Standardhotels hatte ich nie. Dort läuft man ständig anderen Deutschen über den Weg und bekommt nichts von Land und Leuten mit. Nach Südafrika bin ich deswegen schon ein paar Wochen vor Turnierbeginn geflogen, habe mir eine Freundin gesucht und den bekanntesten DJ von Pretoria kennengelernt. Danach war ich nur mit Einheimischen unterwegs. Dieses Mal habe ich über das Internet Kontakte zu Ukrainern aufgebaut, da gibt es ja etliche Plattformen, wo Menschen aus aller Welt ihre Sofas oder Gästebetten frei zu Verfügung stellen. Momentan schlafe ich in Kiew in einer Dreier-Frauen-WG. Die Wohnung liegt im Stadtteil Obolon in einem typischen Sowjetplattenbau, der nicht gerade zentrumsnah liegt. Das ist okay. Auch, dass ich auf dem Fußboden schlafen muss, Isomatte und Schlafsack habe ich dabei. Morgen ziehe ich weiter, dann geht’s zu Elena und ihrer Mitbewohnerin. Da gibt es auch ein richtiges Bett.“

2. IM AUTO

Frank Landauer, Würzburg

Sebastian Halbig, Würzburg

Marco Walter, Würzburg

Matthias Schmelzeisen, Würzburg

„Eine Wahnsinnstour! Wir waren beim ersten Deutschland-Spiel in Lwiw und wollten danach eigentlich nach Danzig. Dort hatten wir eine Ferienwohnung. Die war gebucht, bezahlt, alles fix. Doch nach dem Sieg gegen Portugal wurde ein wenig zu viel getrunken. Plötzlich bot uns jemand günstige Karten für das Holland-Spiel an. Gut angeheitert beschlossen wir: Scheiß auf Danzig, wir fahren weiter gen Osten. Also sind wir erst einmal 1200 Kilometer nach Donezk gebrettert. Danach hoch nach Charkiw. Geschlafen haben wir wenig, und wenn, dann in unserem Auto, ein normaler Pkw. Wir duschen meistens in Saunaclubs, die befinden sich hier in kleinen Nebenstraßen. Das sind Etablissements, die man eigentlich als Pärchen besucht. Sieht schon seltsam aus, wenn da vier Typen im Deutschland-Trikot angedackelt kommen und den Türsteher fragen, ob sie in dem Club duschen können. Aber meistens klappt es – und es kostet nur fünf Euro.“

3. PRIVATWOHNUNG

Christian Hempen, Osnabrück

Heiko Friedrich, Osnabrück

„In Lwiw hatten wir für die ersten Tage zunächst eine private Unterkunft über einen Freund gebucht. Für die kommenden Spiele wollten wir uns überraschen lassen, ein wenig improvisieren. Und das hat auch bestens funktioniert. Als wir in Kiew ankamen, stand dort eine ältere Frau am Bahnhof, die ein Schild hochhielt: Zimmer zu vermieten. Wir haben sie angesprochen, aber sie hat uns gar nicht verstanden. Also mit Händen und Füßen kommunizieren. Irgendwann wurden wir uns einig: 60 Euro pro Nacht, also 30 pro Nase. In unseren Augen war das ein faires Angebot. Sie stellte sich als Liliana vor und kutschierte uns danach zu ihrer Wohnung. Dort war ihre Tochter noch dabei, den Boden zu schrubben. Sie rutschte auf allen Vieren durch die Wohnung. Das war uns ein wenig unangenehm, wir sagten sofort, dass alles gut sei, wie es ist. Doch Liliana war nicht einverstanden, sie wischte noch einmal. Einen Tag später trafen wir zwei Stuttgarter, die einen Mietwagen für die Strecke nach Charkiw gebucht hatten. Sie nahmen uns mit. Auch dort trafen wir einen Einheimischen, bei dem wir günstig unterkamen – und mit dem wir bis in die Morgenstunden Wodka tranken.“

4. PRIVATWOHNUNG

Dirk Berse, Münster

Mathias Schattauer, Sofia

„Wir reisen mit dem Auto. Unsere Strecke: Münster, Sofia, Bukarest, Lwiw. Dort hatten wir zunächst ein tolles Hotel, das nur 90 Euro gekostet hat. Gestern sind wir in Kiew angekommen. Hier haben wir eine private Unterkunft über zwei Ecken bekommen. Unser Gastgeber heißt Nikolai und hat uns seine Wohnung für mehrere Tage überlassen. Er ist zu Bekannten gezogen. Wir zahlen pro Person 50 Euro. Die Wohnung liegt ein bisschen ab vom Schuss, auf der rechten Seite vom Dnjepr, in einem Plattenbau. Der Vorteil: Dort ist es ruhig und sehr sicher. Wir fahren meistens mit dem Taxi zur U-Bahn und dann für 20 Cent in die City. Ich finde es richtig toll hier! Überall herzliche Menschen und eine tolle Atmosphäre. Und wenn wir mit Englisch nicht weiterkommen, helfen uns manchmal sogar meine Bulgarischkenntnisse.“

5. CAMPING

Sebastian Seiler, Memmingen

Lars Lunde, Memmingen

Tobias Schmidt, Memmingen

Stefan Huber, Memmingen

„Nach der Vorberichterstattung in Deutschland hatten wir uns schon auf das Schlimmste eingestellt. Wir dachten, dass wir zwischen Lwiw und Kiew auf Feldwegen fahren müssten und die Campingplätze Umschlagplätze der organisierten Kriminalität sind. Doch das war aus unserer Sicht alles Panikmache! Die Straßen sind wunderbar und die Campingplätze manchmal besser als in Deutschland. In Krakau haben wir beispielsweise für 22 Euro die Nacht geschlafen. Wir hatten Strom, Internet und saubere Toiletten. Weiter ging es nach Lwiw, auch dort war der Campingplatz super und sauber. Nun sind wir gerade in Kiew angekommen. Wir sind hier rausgefahren, weil wir einen Bus mit Deutschlandfahne gesehen hatten. Nun warten wir auf seine Rückkehr, der Fahrer weiß bestimmt, wo man gut campen kann. Ansonsten helfen sicher die Einheimischen weiter. Die sind ja alle sehr hilfsbereit.“

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