Sport : Ebbe Sand

Wie der Schalker das Pokalfinale erlebte

Stefan Hermanns

Ebbe Sand ist der erste Schalker, der in die Knie geht. Es ist 20.43 Uhr im Berliner Olympiastadion, als Sand sich für die Fotografen zum Mannschaftsfoto niederhockt. Der Däne ist eben ein hilfsbereiter Mensch, deshalb schätzen ihn a) seine Kollegen und b) die Fans des FC Schalke 04 wie kaum einen zweiten Spieler. Obwohl Sand im Sturm spielt, wird sein Wert schon längst nicht mehr allein an den Toren gemessen, die er schießt. In der gerade abgelaufenen Saison waren es nur noch acht, und trotzdem hat Trainer Rangnick Sand fast immer von Anfang an spielen lassen. Und es ist nicht der fast 33 Jahre alte Däne, der im Pokalfinale eine Viertelstunde vor Schluss ausgewechselt wird – sondern Ailton.

Sand ist die Lunge des Schalker Sturms. Was Ailton für die Mannschaft zu wenig läuft, läuft Sand manchmal zu viel. Nominell bildet er gegen die Bayern mit Ailton und Gerald Asamoah einen Dreiersturm, in Wirklichkeit ist Sand so etwas wie der erste Verteidiger. Nominell ist er der Mittelstürmer, de facto weicht er häufig auf die Seiten aus, vor allem nach links, wo eigentlich Ailton spielen soll, den es immer wieder in die Mitte zum Tor zieht.

Ebbe Sand ist auch das Herz Schalkes. Kein anderer aus dem aktuellen Kader steht besser für das, was der Verein verkörpert: Leidenschaft und Leidensfähigkeit. Sand ist einer von nur noch drei Spielern in Schalkes Startelf, die schon 2001 das verlorene Meisterschaftsfinale gegen die Bayern miterlebt haben. „Was damals war, wird keiner von uns so leicht vergessen“, hat er einmal gesagt. Deshalb ist dieses Pokalfinale gegen die Bayern so wichtig für Sand und Schalke.

Aber der dänische Stürmer hat es schwer, seinen Ehrgeiz erfolgreich auszuleben. In der Zentrale kümmern sich wahlweise Lucio und Robert Kovac um ihn, zwei im Zweifel eher lieblose Verteidiger. Wenn Sand mit dem Rücken zum Tor angespielt wird, kommt von hinten sofort ein bayerischer Fuß und spitzelt ihm den Ball weg. Schalkes Offensivspiel kommt kaum in Gang, was auch daran liegt, dass die Bayern das Mittelfeld weitgehend kontrollieren. Weder Sand noch Asamoah und Ailton schießen in der ersten Halbzeit auf das Tor von Oliver Kahn; auch ein Zusammenspiel der Angreifer untereinander findet kaum statt.

Nach etwas mehr als einer halben Stunde wird es im Ansatz gefährlich. Nach einem Konter kann Asamoah den Ball von der rechten Seite in den Strafraum schlagen. Sand läuft aus dem Hintergrund Richtung kurzen Pfosten – der Ball fliegt über ihn hinweg. Sand hat wenige Gelegenheiten, um auf sich aufmerksam zu machen. Einmal steht er am Mittelpunkt – und doch ganz am Rand. Es ist die 41. Minute, die Bayern haben gerade das 1:0 erzielt. Sand verfolgt im Mittelkreis den Jubel der Münchner vor dem Marathontor. Der Ball kommt zu ihm, er liefert ihn ordnungsgemäß auf dem Anstoßkreis ab. In diesem Moment ist Ebbe Sand ganz allein.

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