Sport : Echte Freunde

Astana-Radprofis fordern Starterlaubnis für Ullrich

Hartmut Scherzer[Montuiri]

In den Ferienklub in Cala d’ Or muss man nicht mehr fahren. Jedenfalls nicht, wenn man im Januar auf Mallorca über die Tour de France reden will. Dieses Thema hat sich ins Inselinnere verlagert, nach Montuiri ins Landhotel „Es Figueral Nou“. Hier trifft man die Menschen, die einst für das magentafarbene Radsportteam von T-Mobile verantwortlich waren: von Manager Walter Godefroot über den Sportlichen Leiter Mario Kummer zu den Radprofis Alexander Winokurow und Andreas Klöden. Insgesamt elf Mann. Doch ihre Farbe ist jetzt Türkis.

Der Name ihres neuen Teams und seines Sponsoren-Konglomerats ist der Hauptstadt Kasachstans gewidmet: Astana. Bis auf die Farbe erkennt Klöden fast keinen Unterschied zu seiner Zeit bei T-Mobile. „Es geht etwas relaxter zu“, sagt er. Dennoch sei alles hundertprozentig professionell ausgerichtet, man erkenne die Struktur Godefroots, der ja einst das Team Telekom aufgebaut habe. „Wir haben Supervoraussetzungen, dass es ein gutes Jahr wird“, sagt Klöden. Sprich: die Tour zu gewinnen. „Davon träume ich, und ich habe bewiesen, dass ich die Leistung dafür bringen kann.“ Wer aber ist der Hauptkonkurrent für Winokurow und Klöden? „Ivan Basso“, sagen sie einstimmig.

Das Discovery-Team des in den spanischen Dopingskandal verstrickten Italieners ist nach dem 8:7-Votum der Vereinigung der Radsport-Mannschaften nicht aus der Pro-Tour ausgeschlossen worden. Für Klöden und Winokurow ist das die richtige Entscheidung. „Und auch Jan Ullrich wäre einer der größten Konkurrenten, wenn er die Freigabe erhält vom Schweizer Verband“, sagt Klöden. Er wolle ihn gerne am Start der Tour de France 2007 sehen. Er beruft sich auf den IOC-Präsidenten Jacques Rogge, der über Ullrich und Basso gesagt hat, dass sie aufgrund der Unschuldsvermutung weiterhin Rennen fahren dürfen. „Ich sehe das ganz genauso“, sagt Klöden. Sein Teamkollege Matthias Kessler zog einen bemerkenswerten Vergleich. „Ein Josef Ackermann von der Deutschen Bank hat auch jahrelang die größte deutsche Bank trotz des Mannesmann-Prozesses weitergeleitet“, sagt der deutsche Radprofi, „da hat auch keiner gesagt: Ackermann, geh mal für ein paar Jahre nach Hause, solange der Prozess läuft.“

Bei Astana fühlt man sich dem Anti-Doping-Kampf verpflichtet, allerdings nicht so sehr wie das Team T-Mobile, das inzwischen für eine DNA-Analyse der Radprofis kämpft. „Wir stehen hundertprozentig zu den strikten Regeln im Anti-Doping- und Ethik-Code der WADA, der UCI und der Pro-Tour“, sagt der Sportliche Leiter Mario Kummer, „diesbezüglich gibt es bei uns auch null Toleranz.“ Über die DNA-Analyse sagt er: „Ist das überhaupt rechtskräftig? Die UCI muss dafür die Voraussetzungen schaffen.“

Klöden legt keinen Wert darauf, bei einer Disqualifikation des positiv getesteten Tour-Siegers Floyd Landis nachträglich von Platz drei auf Rang zwei aufzurücken. Er fordert einen Schlussstrich unter das desaströse Radsportjahr 2006 und eine konsequentere Doping-Bekämpfung. „Ich hoffe, dass die Fahrer, die Rennen gewinnen, ein halbes Jahr später auch noch die Sieger sind“, sagt er, „damit Eltern zu ihren Kindern sagen können: Versuch es mal als Radrennfahrer.“

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