Sport : Echte und falsche Hoffnungen

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Fürs große öffentliche Pathos war mal wieder Bernd Schmelzer zuständig. Schmelzer arbeitete gestern nur im Nebenberuf als ARD-Kommentator, im Hauptjob brillierte er als Vorsitzender des Felix-Neureuther-Fanklubs. Neureuther gewann den Weltcup-Slalom von Kitzbühel, und Schmelzer forderte die Millionen am TV-Schirm auf, sich zu verneigen vor dem Deutschen. Weil der dem großen Druck standgehalten habe.

Eigentlich hat Schmelzer den öffentlichen Druck auf Neureuther damit noch erhöht. Eine Olympiamedaille sollte es nun schon sein, alles andere wäre unpassend für einen, vor dem man sich verneigen soll. Neureuther ist hervorragend gefahren, zweifellos, aber für eine Überhöhung taugt er nicht. Platz 25 in Levi, ausgeschieden in Alta Badia, Neunter in Zagreb, das sind auch Saisonergebnisse des Felix Neureuther. Anders gesagt: Er hat erstmals komplett erfüllt, was Experten schon lange von ihm erwarten. Seit Jahren gilt er als großer Hoffnungsträger. Doch der Hoffnungsträger zeigt regelmäßig Nerven. In der vergangenen Saison schied er in Serie aus, zu den Olympischen Spielen 2006 durfte er ohne Norm dank der Gnade des Verbands. Gut möglich, dass er sich nun in den Toprängen stabilisiert. Aber sicher ist das nicht.

Vielleicht war es gar nicht schlecht, dass zugleich die Frauen in Cortina fuhren. Maria Riesch Zweite in der Abfahrt, Kathrin Hölzl Dritte im Riesenslalom, sie lenken ab vom Slalomsieger. Und sie unterscheiden sich in einem Detail von Neureuther: Sie sind bei Olympia die echten Medaillenhoffnungen.

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