Eduard Geyer über das DFB-Pokalfinale : "Berlin ist unvergesslich"

1997 kam Eduard Geyer mit Cottbus ins Pokalfinale – heute traut er dem Team das Gleiche zu. "Duisburg ist auch auswärts machbar, Union hat es beim 1:0 gezeigt", sagt er im Gespräch mit dem Tagesspiegel.

Eduard Geyer, 66, trainierte Energie Cottbus von 1994 bis 2004.
Eduard Geyer, 66, trainierte Energie Cottbus von 1994 bis 2004.Foto: dpa

Herr Geyer, haben Sie sich schon den 21. Mai im Kalender geblockt?

(lacht) Ja. Wenn nichts schief geht, bin ich in Berlin.

Sie gehen also davon aus, dass Energie Cottbus in Duisburg gewinnt und das Pokalfinale erreicht?

Naja, ausgehen kann man davon nie. Aber das Finale ist immer ein großer Höhepunkt, für alle Vereine. Wenn man sich so weit vorgekämpft hat, hat man eine große Chance, sich bekannt zu machen. Der Pokal ist natürlich eine schöne Geldquelle, aber auch ein Imagegewinn.

1997 erreichten Sie als Trainer mit Energie als Drittligist das Berliner Endspiel.

Wir hatten den Heimvorteil. Das Halbfinale war denkwürdig. Wir haben den Karlsruher SC, damals noch ein Bundesligaverein mit internationalen Ambitionen, richtig niedergerungen – bei Schneefall Mitte April. Morgens war noch herrlicher Sonnenschein, abends lagen 20 Zentimeter Neuschnee auf dem Platz.

Vor dem KSC schlugen Sie, ebenfalls aus der Bundesliga, Duisburg und St. Pauli. Wie haben Sie das geschafft?

Ich habe die Mannschaft stark geredet, ihr gesagt, dass die Unterschiede nicht so riesig sind. Mit guter taktischer Disziplin kann man Bäume versetzen. Das haben wir gemacht.

Zwei Mal siegten Sie im Elfmeterschießen. Gab es Sondertraining?

Wir haben das generell oft ans Training angehängt. Man sieht da schon, wer sich das zutraut. Und die Wankelmütigen muss man eben stark reden. Man braucht ja mindestens fünf.

Im Finale war der VfB Stuttgart dann eine Nummer zu groß.

Berlin war schön, unvergesslich, obwohl wir 0:2 verloren. Der VfB mit Bobic, Balakow und Elber war wirklich ein anderes Kaliber als heute. Es war auch ein bisschen der Dampf raus bei uns nach dem Aufstieg in die Zweite Liga.

Die Regionalliga dominierten Sie damals, blieben zwischenzeitlich über 50 Spiele ungeschlagen. War das Selbstbewusstsein ausschlaggebend für die Siege im Pokal?

So eine lange Serie kann auch schlecht sein. Irgendwann fangen die Spieler an zu glauben, dass die Serie jetzt reißen muss. Als wir in der Liga schon durch waren, verloren wir einmal. Das war halb gewollt und heilsam. Gegen Hannover in der Relegation waren wir wieder topfit.

Damals standen mit Detlef Irrgang, Jens Melzig oder Ingo Schneider noch viele Spieler aus der Region auf dem Platz, 2001 in einem Spiel dann elf Ausländer. Begrüßen Sie die Kehrtwende, dass Cottbus wieder auf junge deutsche Spieler setzt?

Das ist keine Kehrtwende. Ich hätte auch lieber mit elf Deutsch sprechenden Profis gearbeitet. Nur waren die Spieler nicht bereit, nach Cottbus zu gehen. Hatten wir einen überzeugt, wollte die Frau nicht, weil es ihr zu weit weg von allem war.

Die ehemals graue Maus liefert in diesem Jahr teils begeisternde Spiele, beim 5:5 gegen den KSC zum Beispiel.

Defensiv gibt es noch große Reserven. Im Pokal klappt es ja. Aber auch in der Liga hat Cottbus dieses Jahr eigentlich eine Riesenchance aufzusteigen. Hertha ist der einzige große Name. Mit fünf Punkten Rückstand wird es aber schwer.

Sollte Bayern sich gegen Schalke durchsetzen, spielt der Finalteilnehmer wohl sicher im Europapokal. Wäre das nicht eine Nummer zu groß für einen Klub wie Cottbus?

Nein. Eher eine große Herausforderung. Es wäre für den Verein gut, aber auch für die einzelnen Charaktere, die sich in den zusätzlichen Spielen beweisen können.

Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass es mit dem Finaleinzug klappt?

Duisburg ist auch auswärts machbar, Union hat es beim 1:0 gezeigt.

Drücken Sie heute vor dem Fernseher die Daumen?

Na klar. Nach zehn Jahren als Trainer ist mir Energie natürlich näher als Duisburg.

Die Fragen stellte Johannes Ehrmann.

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