Sport : Effekte statt Geld

Trotz riskanter Bilanzmanöver kommt der Bundesligist nicht um eine millionenschwere Anleihe herum

Michael Rosentritt

Berlin - Ingo Schiller vermeldete für das Geschäftsjahr 2004/05 einen Überschuss von 11,3 Millionen Euro. Im gleichen Atemzug musste der für Finanzen zuständige Geschäftsführer der Hertha BSC Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) einräumen, dass das nur Sondereffekten zu verdanken ist. Der Sondereffekt, der Hertha diesmal die Bilanz frisiert, ist 28 Millionen Euro schwer.

Hinter den 28 Millionen Euro verbergen sich Vermarktungs- und Verwertungsrechte an Logenplätzen und Business-Seats im Olympiastadion ab dem Jahr 2008. Diese Rechte hat die KGaA aber bereits im Dezember 2004 an die eigene Tochtergesellschaft, die „Hertha BSC Rechte GmbH und Co. KG“ abgetreten. Für das Geschäftsjahr 2004/05 wurde diese Summe als „Ausgliederungsgewinn“ gebucht und als Umsatzerlös ausgewiesen. Ohne diesen Sondereffekt würde die Bilanz einen Verlust von 4,2 Millionen Euro ausweisen.

Warum Hertha sich solcher Buchungsmanöver, also Zugriffe auf die Zukunft, bedient, liegt auf der Hand. Die KGaA musste einen Überschuss vorweisen, um einer wesentlichen Auflage der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zu entsprechen. Die DFL hatte Hertha für die laufende Saison eine Lizenz unter der Auflage erteilt, dass das Negativkapital nicht anwächst. Die Praxis der KGaA ist zwar legal, aber riskant.

Schon vor einem Jahr hatte der ehemalige DFL-Vorsitzende Wilfried Straub die Prüfungskriterien für das Erlangen einer Bundesliga-Lizenz kritisiert. Die Prüfungskriterien sollten auf die Vermögenswerte der Klubs ausgeweitet werden. Die DFL prüft lediglich, ob die Vereine genügend Geld nachweisen können. Woher das Geld kommt, wird nicht geprüft.

Herthas Schulden belaufen sich auf 35,2 Millionen Euro, davon 17,7 Millionen kurzfristige. Durch Maßnahmen wie „Signing fees“ und so genannte „Sale-and-lease-Back“-Geschäfte hat Hertha bereits wesentliche Vorgriffe auf die Zukunft getätigt. „Diese Vorgriffe waren nötig“, sagte Schiller. Aber dadurch, dass Hertha diverse künftig zu erwartende Zahlungen sich vorab ausbezahlen beziehungsweise beliehen ließ, verbessert sich die Einnahmesituation nicht, was sich wiederum auf das operative Geschäft negativ auswirken könnte. Über „Signing fees“ und ein „Sale-and-lease-Back“-Geschäft nahm die KGaA rund 36 Millionen Euro ein. Benutzt worden sind sie, um Millionenverluste der vergangenen Geschäftsjahre kleinzurechnen. In absehbarer Zeit wird Hertha um eine millionenschwere Anleihe nicht herumkommen.

2003 verkaufte Hertha die Rechte an Vip-Plätzen im Olympiastadion für 15 Millionen Euro. Dafür zahlt Hertha vier Jahre lang eine jährliche Leasingrate von 4,1 Millionen Euro. Über diese Rechte aber, die ab 2008 wieder an die KGaA fallen und deren Wert vom Wirtschaftsprüfungsunternehmen mit 28 Millionen Euro beziffert wurde, will die KGaA über die Tochtergesellschaft an eine Anleihe gelangen. Da der KGaA wegen fehlender Sicherheiten keine Anleihe gewährt wurde, tritt jetzt ihre Tochter an ihre Stelle. Die Tochter könnte diese Rechte an Banken veräußern oder aber sie als Sicherheit für ein Darlehen abtreten. Mit diesem Darlehen, dass der KGaA zufließen würde, könnten Schulden umgewandelt werden.

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