Sport : "Effenberg müsste gesperrt werden"

Ex-Bundestrainer Derwall ärgert sich über das Verhalten des Bayern-Stars

Seit über zehn Jahren genießt Jupp Derwall sein Dasein als Rentner. Doch der ehemalige Bundestrainer überrascht sein Umfeld immer wieder mit seinem Interesse für das Fußball- Tagesgeschäft und klaren Forderungen. "Spieler wie Stefan Effenberg, die sich weigern für die Nationalmannschaft zu spielen, sollten auch für die Bundesliga gesperrt werden", verlangt Derwall. "Der türkische Verband praktiziert das seit Jahren und keiner beschwert sich darüber." Erst kürzlich hatte Derwall den Ex-Bayern Lothar Matthäus aufgefordert, bis zum Jahre 2002 weiterspielen.

Die Spielkunst von Effenberg am Ball steht für Derwall außerhalb jeden Zweifels. "Es steht außer Frage, dass Effenberg der Nationalelf helfen könnte", meinte der gebürtige Rheinländer, "doch dass der DFB bei einem Spieler betteln muss, ob er nicht Lust habe, sein Land bei einer Europameisterschaft zu vertreten, habe ich noch nie erlebt."

Besonders geärgert hat sich der acht Jahre lang amtierende Trainer der Fußball-Nationalmannschaft über die jüngsten Aussagen des Bayern- Stars nach der Gala-Vorstellung der Münchner bei Real Madrid und der Pleite der Deutschen in den Niederlanden. "Wenn ich lese, dass er lieber in Urlaub fährt und Zeit für die Kinder haben will, kommt mir das vor wie Hohn. Und dann maßt er sich auch noch an, nach Gründen für mangelnde Erfolge der Nationalelf zu suchen", schimpfte Derwall.

Doch auch an den Spielern, die die deutschen Farben beim 1:2 in Amsterdam vertraten, ließ Derwall kein gutes Haar. "Den Spielern fehlte jegliche Selbstkritik", sagte Derwall. "Dabei waren die Niederländer viel ballfertiger und hätten ohne Probleme 4:1 oder sogar 5:1 gewinnen können." Teamchef Erich Ribbeck nahm er in Schutz: "Es steht keinem Spieler zu, den Nationaltrainer im Nachhinein zu kritisieren", so Derwall. "Erst recht nicht nach einem solchen Spiel wie in den Niederlanden, wo außer Oliver Kahn keiner Leistung zeigte und man sogar die Einsatzbereitschaft an allen Ecken und Enden vermisst hat", fügte er hinzu.

Die Gründe für die neue "Unlust" auf die Nationalelf sieht der Europameister von 1980 vor allem in der Aufblähung der Champions League. "Die Spieler haben einfach keinen Spaß mehr, in der Nationalmannschaft zu spielen. Doch wenn ich sehe, dass ein Kahn in 24 Tagen acht Spiele absolvieren muss, kann ich dies sogar verstehen", meinte Derwall. Als Alternative zu der ständig steigenden Belastung glaubt Derwall nur an eine Reduzierung der Champions League von 32 wieder auf 24 Teams: "Dann könnte man von Seiten der Verbände vielleicht sogar einige spielfreie Wochenenden einstreuen, damit die Spieler ausgeruht zur Nationalelf kommen."

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