Sport : Effenberg wird für 90 Minuten zum Sechziger-Fan

Seltsame Dinge geschehen in München. Da wird sogar Stefan Effenberg, Kapitän des FC Bayern, heute für eineinhalb Stunden zum zum Löwen-Fan. Denn während sein FC Bayern München heute in Wolfsburg die Bundesliga-Tabellenspitze verteidigen will, drückt der verletzte Ex-Nationalspieler dem Lokalrivalen TSV 1860 München im Heimspiel gegen Bayern-Verfolger Bayer 04 Leverkusen die Daumen. "Am Samstag ist die ganze Mannschaft Löwen-Fan", kündigte Effenberg an. Wie der Rest seiner Kollegen hofft er auf kräftige Schützenhilfe durch den Stadt-Nachbarn.

Für die Sechziger selbst wird das Spitzenspiel im Kampf um einen Europacup-Startplatz zur Nagelprobe. "Wenn man international spielen will, muss man auch eine Spitzenmannschaft schlagen", sagte Trainer Werner Lorant vor dem Gastspiel des Bayern-Jägers heute (15.30 Uhr/live Premiere World) im Olympiastadion. Denn als Tabellen-Vierter kämpft 1860 um einen Champions-League-Startplatz. Für die zweitplatzierten Leverkusener, die mittlerweile punktgleich mit dem Rekordmeister FC Bayern sind, geht es sogar noch um die Deutsche Meisterschaft.

Von Schützenhilfe will Lorant jedoch nichts wissen, nachdem die Bayern zuletzt beim 2:2 gegen den 1. FC Kaiserslautern den Sieg über den direktem 1860-Verfolger verpassten. "Da hätten sie uns schon helfen können", meinte Lorant. Dennoch: Das bisherige Abschneiden seines Teams hält der Coach für enorm. "Wir sind doch froh, dass wir so weit sind. Der vierte Platz ist für mich sensationell", sagte der 51-Jährige. Die Favoritenrolle schiebt er aber den Leverkusenern zu. "Die haben eine hochkarätige Mannschaft mit vielen Nationalspielern. Zum anderen sind sie in einer tollen Form, obwohl sie zu Hause nicht gegen Freiburg gewonnen haben." Das unterstreicht auch Mannschaftskapitän Bernhard Winkler: "Ich schätze sie auswärts stärker ein als zu Hause." Allerdings glaubt Lorant auch, dass Bayer "unter Druck steht und sich keinen Ausrutscher leisten kann".

Deshalb rechnet er sich auch eine Siegchance aus. "Leverkusen spielt nach vorne. Da hat man als Heimmannschaft auch Platz", sagte der Trainer und forderte seine Profis auf, "hellwach" zu sein. "Wir dürfen nicht nachlässig sein, denn dann haben wir schon verloren. Aber wir versuchen mit aller Macht, Leverkusen zu schlagen." Dabei schlägt Lorant sich ein wenig stolz auf die Brust: "Sechzig hat die beste Mannschaft und spielt den besten Fußball seit 20 Jahren." Dem stimmt Winkler zu: "Es ist die beste, in der ich mitgespielt habe", sagte der Kapitän, der seit 1993 für 1860 kickt.

Obwohl 1860 in der Bundesliga-Spitzengruppe um einen Platz im internationalen Wettbewerb spielt, bleiben die Fans aus. So rechnen die Club-Verantwortlichen im Top-Spiel nur mit 35 000 Besuchern im Olympiastadion. "Die Mannschaft hat mehr Zuschauer verdient", sagt Lorant, der der Diskussion über die Fans allerdings allmählich überdrüssig ist. Immerhin: Personell hat der Trainer kaum Sorgen. Bis auf die angeschlagenen A-2-Nationalspieler Holger Greilich und Stephan Paßlack sowie den Österreicher Harald Cerny sind alle Profis fit.

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