Sport : Effenbergs Rache (Kommentar)

Detlef Dresslein

Die Statistiker haben den 26. Spieltag abgehakt. Wir aber müssen noch mal auf etwas zurückkommen - wie jeden Montag.

Der Familienvater und Berufsfußballer Stefan Effenberg, 31, angestellt beim FC Bayern München, wirkt manchmal etwas griesgrämig. Launisch und patzig kommt er oft daher, weist schon mal die renitenten Journalisten zurecht (Zitat: "So nicht, Freunde der Sonne") oder präsentiert dem Publikum eine spezielle Auswahl seiner Gliedmaßen (vgl. Weltmeisterschaft 1994). Ansonsten ist er einer der wenigen deutschen Staatsbürger, die noch einen gepflegten Pass spielen können, was er am Samstagnachmittag beim Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern eindrucksvoll bewies. Und Stefan Effenberg kann sich etwas merken. Zu den verbalen Sticheleien des ehemaligen Kollegen Mario Basler ("Wir müssen aufpassen. Scholl, Elber und Sergio fallen sehr schnell") vermeldete er streng: "Das haben wir genau registriert".

Das und die milden Lüfte des Lenz dürften dem Sonnenfreund Effenberg beim Frühlingskick gegen die Pfälzer etwas eigentümlich zugesetzt haben. Als noch keine halbe Stunde herum war, trat ihn der dänische Rustikalkicker Michael Schjönberg im Mittelfeld um. Auch das hatte Effenberg genau registriert.

Das Spiel läuft zunächst weiter (wg. Vorteilsregel), Effenberg erhebt sich, trabt Richtung Strafraum, und nach Ende des Spielzuges stürmt er zu Schjönberg und schubst ihn um. Damit bewies er Basler, dass auch ein Lauterer zuweilen "schnell fällt". Was "Effe", dem Rächer, missfällt: "Ich hätte nicht gedacht, dass ein Mann von ein Meter neunzig so leicht umfällt." 1,91 Meter, um ganz genau zu sein.

Nachher sprach Schjönberg von Emotionen, die gerade diese Bundesligabegegnung mit sich bringe, und dass der Schiedsrichter Fingerspitzengefühl bewiesen habe, weil er Effenbergs Aufbrausen nicht als Tätlichkeit gewertet hatte. Die Gelbe Karte, die der Schiedsrichter Bernhard Zerr dank gnädiger Auslegung in seinen gefühlvollen Fingerspitzen hielt, sah Effenberg aber gar nicht mal, sondern durchbohrte seinen nordischen Kollegen noch mal visuell. "Wenn Blicke töten könnten", heißt es dann oft bei solcherlei Augenspielerei.

Glücklicherweise können sie das nicht, sonst wäre womöglich Schlimmeres passiert, am letzten Sonnabend in der Münchner Frühlingssonne.

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