Sport : EHC Eisbären - Capitals: Endstation Mezin

Claus Vetter

Da saß einigen Fans der Capitals offensichtlich der Schalk im Nacken. Zu Anfang des dritten Berliner Derbys in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) wurde auf der Tribüne der Eissporthalle an der Jafféstraße ein Transparent mit der Aufschrift "Hallo, ihr dunkeldeutschen Stasikinder" ausgerollt. Die Spieler des EHC Eisbären übersahen diese "einfallsreiche" Begrüßung der Anhänger des Gastgebers allerdings. Und das lag mitnichten daran, dass die Mehrheit des Eisbären-Personals Geschichten um Staatssicherheit und die DDR maximal vom Hörensagen kennt. Vielmehr war die Enttäuschung über den Ausgang des Derbys beim EHC groß: 2:3 nach Penaltyschießen hatten die Hohenschönhausener am Freitagabend verloren und dabei einmal mehr höchst eindrucksvoll demonstriert, warum sie am Tabellenende stehen.

Spitze sind die Eisbären in dieser Saison vor allem im Auslassen von Torchancen. Und obendrein im Finden von Ausreden. "Der Andrej Mezin hat bewiesen, dass er der beste Torhüter in der Liga ist", lobte EHC-Kapitän Marc Fortier den gegnerischen Schlussmann. Teamkollege Rob Cowie war dagegen nur genervt. Eine gute Vorstellung seiner Mannschaft? Sicher, aber man habe nur einen Punkt geholt, "das ist in unserer Situation einfach zu wenig", wusste Cowie, "wir können uns nicht mehr allzu viele Spiele leisten, die wir nur fast gewinnen." Am Sonntag (18.30 Uhr, Sportforum Hohenschönhausen) gegen die Krefeld Pinguine müsse unbedingt ein Erfolg her, sagte der EHC-Verteidiger, "sonst wird bei uns der moralische Knacks zu groß".

Zerknirschte Gesichter gab es aber auch beim Sieger, der heute bei den Schwenningen Wild Wings antritt. "Unkonzentriert" sei man in der Schlussphase gewesen, stellte Capitals-Trainer Chris Valentine fest. Und Manager Lorenz Funk wollte sich gar nicht beruhigen. Fahrlässig habe man die 2:1-Führung verspielt. "So etwas darf nicht passieren", schimpfte Funk. Dank des Ausgleichstores von Hicks in der vorletzten Minute konnten sich die Eisbären ins Penaltyschießen retten. Da war dann allerdings bei Mezin wieder Endstation für die Gäste. Und EHC-Trainer Uli Egen blieb nur die Erkenntnis, "dass beim Eishockey nicht immer die klar bessere Mannschaft gewinnt".

Dass der Außenseiter dem Favoriten das Leben schwer gemacht hatte, war immerhin erstaunlich. Valentine hatte dafür eine überraschenden Erklärung: "Vielleicht waren wir so nervös, weil die Halle so voll war." Vor den gut gefüllten Rängen dürfte sich zumindest der Trainer der Capitals nicht gefürchtet haben, als Spieler bei der Düsseldorfer EG hat er schließlich anderes erlebt. Denn das Berliner Eishockey-Duell steht mangels großer Spielstätten an der Spree seit dieser Saison wieder im Schatten des Derbys am Rhein: In Köln hatte man vor wenigen Wochen beim Spiel gegen die DEG 18 600 Besucher begrüßt, am Freitag verfolgten 10 300 Zuschauer an der Düsseldorfer Brehmstraße das rheinische Derby.

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