Sport : EHC Eisbären: Kehraus

Claus Vetter

Eishockey ist Teil der Unterhaltungsindustrie. Beim EHC Eisbären hat man dies inzwischen verinnerlicht. Schließlich gehört der Klub der amerikanischen "Anschutz Entertainment Group". Da mögen die Leistungen in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) noch so dürftig sein, beim EHC ist was los. Am Freitag wurde der Generalbevollmächtigte Martin Müller aufgrund von "Unregelmäßigkeiten auf der Geschäftsstelle" beurlaubt, am Aschermittwoch ging der Kehraus bei der alten Garde weiter. Günther Haake trat als Geschäftsführer der EHC Management GmbH zurück und vermied so einen Abgang der unschönen Art.

Im Klub wird Haake bleiben, jedoch außerhalb der DEL: Der 58-Jährige ist Präsident des Stammvereins EHC Neue Eisbären. Dort unterstehen ihm der Nachwuchs und das Oberliga-Team Eisbären Juniors. Seit 1964 ist Haake im Sportforum aktiv, in vielerlei Funktion hatte der gebürtige Thüringer schon zu DDR-Zeiten den Eisbären-Vorgänger SC Dynamo begleitet. Nach dem Mauerfall war Haake am Aufschwung in Hohenschönhausen beteiligt, hielt sich aber im Hintergrund. "Die aufgedeckten betrieblichen Unregelmäßigkeiten haben mich schockiert", sagte Haake gestern. "Ich will mich davon distanzieren. Daher habe ich um die Auflösung meines Vertrages gebeten."

Detlef Kornett, mächtigster Mann der europäischen Filiale des in Denver ansässigen Anschutz-Imperiums, führt seit Müllers Beurlaubung kommissarisch die Eisbären-Geschäfte. Akribisch, aber nicht auskunftsfreudig. Ist Müller der Alleinschuldige an den von Haake genannten "Unregelmäßigkeiten"? Ist Haake nur ein Pontius Pilatus? "Dazu kann ich nichts sagen." Der Satz steht auf Kornetts persönlicher Antworten-Hitliste ganz oben.

In der Nacht zum Freitag vergangener Woche hatte Kornett mit seinen Finanzexperten auf der Geschäftsstelle die Bücher gewälzt und dabei wurde er nicht glücklich. Vor dem Einstieg von Anschutz in der vergangenen Saison blieben beim EHC Rechnungen liegen und Gehälter wurden verspätet gezahlt. So was ist im Eishockey, das nicht für seriöses Wirtschaften bekannt ist, nichts Außergewöhnliches. Doch Anschutz will die Vergangenheit nicht auf sich beruhen lassen. Und das pikiert manchen, der sich um den Klub verdient gemacht hat, etwa Martin Müller. "Mir tut die ganze Situation weh", sagt der beurlaubte Generalbevollmächtigte, "denn ich bin mir keiner Schuld bewusst."

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