EHF-Champions-League : Narcisse: „Handball könnte Dopingproblem kriegen“

Welthandballer Daniel Narcisse vom THW Kiel spricht vor dem Final Four der EHF Champions League mit dem Tagesspiegel über seinen Wechsel zu Paris St. Germain, das Finalturnier in Köln und die hohe Belastung durch seine Sportart.

Erik Eggers
Daniel Narcisse hält die Champions-League-Trophäe in die Luft. Foto: dpa
Daniel Narcisse, 33, ist aktueller Welthandhaller. Seit 2009 spielt der Franzose in Kiel. Mit dem Nationalteam wurde er mehrmals...Foto: dpa

Daniel Narcisse, Sie stehen mit dem THW Kiel im Final Four der Champions League, wo es am Samstag im Halbfinale gegen Hamburg geht (17.30 Uhr, live bei Eurosport). Im vergangenen Jahr hat Kiel das Turnier in Köln gewonnen. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Austragungsort?

Sehr schöne, auch abseits des Sports. Ich habe zu Beginn meiner Zeit in Deutschland in Gummersbach gewohnt. Aber ich war sehr oft in Köln und habe die Stimmung in der Stadt immer sehr genossen. In jeder Straße kann man Franzosen kennenlernen. Und dann der Karneval: Das war echt eine neue Erfahrung für mich.

Beim VfL Gummersbach haben Sie auch ihren aktuellen Trainer Alfred Gislason kennengelernt. Wie verlief die erste Zeit mit ihm?
Es war nicht einfach, aber wir haben bald eine gute Basis gefunden. Als Isländer hat er natürlich eine andere Mentalität. Sein Humor ist großartig. Nur nicht im Training. Arbeit ist Arbeit, so lautet sein Motto. Wenn man dieses Motto befolgt, dann kann man viel Spaß mit ihm haben.

Hat es Sie überrascht, dass Gislason die Erfolgsserie seines Vorgängers Noka Serdarusic in Kiel nahtlos fortsetzen konnte?
Nein. Die großen Ziele, die ein Klub wie der THW hat, kann man nur mit einem großen Trainer verwirklichen. Alfred ist ein großer Trainer. Ich finde, er hat in den vier Jahren, in denen ich in Kiel spiele, sehr gute Arbeit geleistet.

Welche weiteren Gründe gibt es für die Kieler Dominanz?
Der THW hat viele große Spieler. Aber sie tun alles für die Mannschaft. Das lernen alle, die hierherkommen, sehr schnell. Aber es gibt auch andere Gründe.

Welche sind das?
Die Mentalität. Als ich 2009 nach Kiel kam, wusste ich, dass hier alle gewinnen wollen. Aber die große Leidenschaft, die dahintersteckt, habe ich damals unterschätzt. Unser Kapitän Marcus Ahlm sagt immer: Das nächste Spiel! Immer nur das nächste Spiel! Und wenn das geschafft ist, dann schauen wir wieder auf das nächste Spiel. Es ist unglaublich, wie sehr sich alle Spieler darauf fokussieren.

Das ist die ganze Erklärung dafür, warum der THW nicht verliert?
Es gibt auch Schlüsselmomente. Einer davon war das erste Champions-League-Final-Four. Damals hatten wir riesige Probleme, zuerst im Halbfinale gegen Ciudad Real, im Finale lagen wir gegen Barcelona mit sechs Toren zurück. Aber beide Spiele haben wir gedreht. Das war sehr wichtig für uns als Mannschaft. Damals hatten Spieler wie Börge Lund und Igor Anic, die vorher kaum Einsatzzeiten hatten, großen Anteil am Sieg. Das hat uns alle sehr bewegt.

Das hört sich in Zeiten des Profisports sehr romantisch an.
Mag sein, aber ich glaube, dass ohne solche Erlebnisse keine große Mannschaft wachsen kann. Die Saison 2011/12, als wir fast perfekt gespielt haben, wäre ohne die Lernprozesse in den zwei Jahren davor undenkbar gewesen. Und auch nicht ohne die Reise in der Vorbereitung nach La Réunion, meine Heimat, wo wir uns noch einmal besser kennengelernt haben. Auch das hat uns sehr geholfen.

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