Sport : Ehrenplatz für den Schläger

Dennis Endras glänzt im deutschen Eishockeytor

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Eistanz. Mit tollen Paraden sicherte Torhüter Endras das 2:0 gegen Russland. Foto: AFP
Eistanz. Mit tollen Paraden sicherte Torhüter Endras das 2:0 gegen Russland. Foto: AFPFoto: ddp

Ein Sieg gegen den 25-maligen Eishockey-Weltmeister Russland hat einen hohen Glücksfaktor. Dennis Endras, der Torhüter der deutschen Nationalmannschaft, konnte noch am Tag danach nicht aufhören zu lächeln. Die Freude über das sensationelle 2:0 gegen die Sbornaja, mit dem die DEB-Auswahl am Freitag in die Weltmeisterschaft in der Slowakei gestartet war, wirkte sichtlich nach. „Den Schläger aus dem Spiel hebe ich auf, den Puck habe ich leider nicht mehr bekommen“, erzählte Endras strahlend. Der 25-Jährige war 2010 als wertvollster Spieler der WM in Deutschland ausgezeichnet worden. In Bratislava knüpfte er nahtlos an die brillanten Leistungen des Heimturniers an. 31 Schüsse wehrte der Augsburger im Spiel gegen ein russisches Team ab, das erst arrogant und am Ende nervös agierte. Es war Endras’ zweites Zu-null-Spiel bei einer WM nach dem 1:0 gegen die Schweiz im letztjährigen Viertelfinale in Mannheim. Im Halbfinale scheiterten die Deutschen damals mit 1:2 an Russland.

Uwe Krupps Nationalteam hat, wie es scheint, seine eigene Dynamik entwickelt. Bei den Augsburger Panthern spielte Endras eine durchwachsene DEL-Saison, seine Statistiken waren mittelmäßig. Im deutschen Tor blühte er jedoch sofort auf. „Das liegt daran, dass wir ein Riesenteam haben, das hat Uwe Krupp super gemacht. Ich freue mich immer, für die Nationalmannschaft zu spielen“, erklärte Endras. „Die Stimmung ist immer sehr gut, wir haben auf gut Deutsch gesagt kein Arschloch in der Mannschaft. Wir sind 25 Freunde.“

Der Bundestrainer sorgt aber auch dafür, dass die 25 Freunde in ihrem Glück nicht abheben. Gleich nach dem Sieg, der durch Tore von Thomas Greilinger (24.) und Patrick Reimer (58.) zustande gekommen war, stellte Krupp mit Pokerface fest: „Das war nicht mehr als eine Momentaufnahme. Die Russen waren heute nicht scharf.“ Am Ziel sei sein Team noch lange nicht.

Um sich für die Zwischenrunde zu qualifizieren, müssen seine Profis noch mindestens einen Punkt aus den restlichen Gruppenspielen gegen die Slowakei (heute, 20.15 Uhr, live auf Sport 1) und Slowenien (Dienstag, 16.15 Uhr, live auf Sport1) einfahren. Krupps Mantra ist bei Endras angekommen: „Wir wissen, dass wir noch nichts erreicht haben“, sagte er.

Trotzdem hat der deutsche Erfolg gegen Russland einige bemerkenswerte Facetten. Nie zuvor hatte eine DEB-Auswahl bei Welttitelkämpfen gegen die Russen gewonnen, 37 Niederlagen standen für die Deutschen zu Buche. Einen Sieg in einem Pflichtspiel feierte die DEB-Auswahl nur bei den Olympischen Spielen 1994 in Lillehammer, damals bezwangen sie Russland mit 4:2. Unter Trainer Wjatscheslaw Bykow, der seit 2007 im Amt ist, hat Russland insgesamt nur drei WM-Spiele verloren. Die Niederlage gegen den Eishockey-Nobody bereitete Bykow sichtliche Pein. „Wir haben sehr schlecht gespielt“, gestand der ehemalige Nationalspieler zerknirscht ein.

In der Partie gegen Gastgeber Slowakei, der Slowenien mit 3:1 bezwang, wird Endras pausieren, sein Straubinger Kollege Dimitri Pätzold wird zum Einsatz kommen. Endras hat dafür Verständnis: „Er hat seine Chance verdient“. Auch bei der Heim-WM hatte Krupp die Torhüter in der Gruppenphase rotieren lassen. In der nächsten Saison wird Endras in Nordamerika spielen, er hat einen Einjahresvertrag beim NHL-Klub Minnesota Wild unterschrieben. „Ein neues Kapitel beginnt, aber daran denke ich noch nicht“, sagte er und fügte hinzu: „Ich will jetzt die Zeit mit der Nationalmannschaft genießen.“

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