Sport : Ehrgeizig in die zweite Liga

Nach zwei Jahren des Misserfolgs in Europa freunden sich Albas Basketballer mit dem Uleb-Cup an

Benedikt Voigt

Berlin - Ende April haben die Verantwortlichen von Alba Berlin mal wieder die große europäische Basketballwelt besucht. Manager Marco Baldi und Aufsichtsrat Axel Schweitzer weilten in Prag beim Final Four der Europaliga, sie sahen ZSKA Moskau gegen Maccabi Tel Aviv vor 20000 Zuschauern spielen. Es bleibt der Traum der Berliner Verantwortlichen, irgendwann einmal mit Alba Berlin an der Finalrunde der besten vier europäischen Teams teilzunehmen. In der Realität aber ist die Europaliga für Alba Berlin nun schon im dritten Jahr außer Reichweite, vom Final Four ganz zu schweigen. „Wir sind keine Europaligamannschaft“, sagt Manager Marco Baldi, „wir sind eine Uleb-Cup-Mannschaft.“

Heute startet Alba Berlin beim italienischen Spitzenklub Montepaschi Siena (18.45 Uhr, live bei Eurosport2) zum dritten Mal in eine Uleb-Cup-Saison. Mit dieser zweiten Liga Europas hat sich der Verein inzwischen angefreundet. „Der Uleb-Cup ist ein hochwertiger Wettbewerb“, sagt Baldi, „es ist keine Selbstverständlichkeit, dort zu spielen.“ Wie hochwertig dieser Wettbewerb ist, hat Alba in den vergangenen zwei Jahren erlebt, als der Klub jeweils in der Vorrunde gescheitert ist. Das hat den Ehrgeiz angestachelt. „Wir wollen in die Europaliga zurückkehren“, sagt Baldi, „aber wir müssen uns erst einmal im Uleb-Cup beweisen.“

Dort ist der erste Gegner ein schwerer. „In Siena sind wir Außenseiter“, sagt Teammanager Henning Harnisch, „aber vielleicht können wir ja ein Spiel stehlen.“ Zumal die Berliner mit einer Serie von sechs Siegen in der Bundesliga anreisen, während Siena mit den beiden US-amerikanischen Aufbauspielern Terrell McIntyre und Joseph Forte die Generalprobe verpatzte und bei Whirlpool Varese die erste Niederlage der Saison kassierte (64:76). „Einige Uleb-Cup-Teams sind sogar stärker als Europaliga-Teams“, sagt Baldi. Siena sei so eine Mannschaft, Hapoel Jerusalem und Khimky Moskau ebenfalls. Alles Gegner der Berliner in Gruppe C. Lediglich Telindus Ostende und Lukoil Academic Sofia gelten als nicht ganz so leistungsstark. Um erstmals in die nächste Runde zu kommen, muss Alba zwei Teams hinter sich lassen. Weshalb das Heimspiel am 7. November gegen Sofia bereits richtungsweisenden Charakter besitzt.

Zuletzt gewann Alba mit 74:57 in Gießen, doch die sechs Siege in der Bundesliga besitzen nur eine geringe psychologische Bedeutung. „Es ist besser, als wenn man mit einer Niederlage nach Siena fährt“, sagt Teammanager Harnisch. Die Berliner wissen, dass Bundesligateams wie Gießen, Paderborn oder Oldenburg nicht die Leistungsstärke des italienischen Tabellenzweiten besitzen. „Jetzt wollen wir am Gegner wachsen“, erklärt Manager Baldi.

Für den Berliner Centerspieler Sharrod Ford ist das heutige Spiel eine Premiere. Als er in der letzten Saison zu Alba stieß, war die Mannschaft im Uleb-Cup bereits ausgeschieden. Er hat aber schon von der Stärke dieser zweiten europäischen Liga gehört. „Das wird ein ganz neues Spiel“, sagt Ford, „aber wir wollen auf jeden Fall die nächste Runde erreichen.“

Albas mittelfristiges Ziel aber ist die Rückkehr in die Europaliga. Gegenwärtig gibt es beim Verband europäischer Basketballklubs Uleb Bestrebungen, die Europaliga auf 32 Vereine zu vergrößern, was die Chancen auf einen zweiten deutschen Startplatz erhöhen würde. Die Aufstockung gilt als Politikum, weil der europäische Basketballverband Fiba zustimmen muss. Und noch eine Chance könnte es geben, in Berlin Europaliga zu sehen. Wenn die O2-Arena am Ostbahnhof gebaut ist, will Alba irgendwann einmal das europäische Final Four ausrichten.

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