• Ehrhart Körting im Interview: „Menschen mit Behinderung gehören in unsere Mitte“

Ehrhart Körting im Interview : „Menschen mit Behinderung gehören in unsere Mitte“

Ehrhart Körting, der Präsident des Berliner Behindertensportverbands, über die Paralympics, Defizite bei der Gleichberechtigung und die Zusammenarbeit des Berliner Behindertensportverbands mit dem Landessportbund.

Friedhard Teuffel
Mittendrin. Ehrhart Körting, Präsident des Behinderten-Sportverbandes Berlin (BSB), mit Ruderin Katrin Splitt (v. l. n. r.) Kugelstoßerin Marianne Buggenhagen und Innensenator Frank Henkel, beim "Berliner Abend" im "Deutschen Haus". Körting, 70, ist neuer BSB-Chef. Der SPD-Politiker war Berliner Justizsenator und Innensenator. Foto: Thilo Rückeis
Mittendrin. Ehrhart Körting, Präsident des Behinderten-Sportverbandes Berlin (BSB), mit Ruderin Katrin Splitt (v. l. n. r.)...Foto: Thilo Rückeis

Herr Körting, die Paralympics in London scheinen sportlich ein Erfolg zu sein. Können sie auch etwas im Bewusstsein ändern?

Ich verspreche mir natürlich etwas für die Entwicklung des Behindertensports, aber auch für die Politik für Menschen mit Behinderungen ganz allgemein.

Was denn?
Politisch hat sich die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in den letzten Jahren deutlich verändert. In Berlin haben wir Gebärdendolmetscher festgeschrieben oder dass Gaststätten Behindertentoiletten haben und im Rollstuhl erreichbar sein müssen. Aber diese Entwicklungen müssen weiter gehen.

Warum könnten die Paralympics daran etwas ändern?
Weil sie den Behindertensport und eine ganze Bewegung populärer machen. Zum Beispiel Marianne Buggenhagen mit ihrem eisernen Willen. Durch die Berichterstattung über die Paralympics wird für die Gesellschaft deutlicher, dass Menschen mit Behinderung in unsere Mitte gehören. Wir werden lernen müssen, es als selbstverständlich anzusehen, dass jemand mit einer Behinderung vielleicht nicht mit derselben Geschwindigkeit arbeitet, aber mit derselben Qualität.

Warum sind Sie Präsident des Berliner Behindertensportverbands geworden?
Ich war fünf Jahre als Senator auch für den Sport zuständig und habe mich dabei für die Gleichberechtigung des Behindertensports eingesetzt, bin als Schirmherr zu den Veranstaltungen der Lebenshilfe gegangen, war regelmäßig bei den internationalen deutschen Meisterschaften der behinderten Schwimmer oder bei Sportfesten der Werkstätten für Menschen mit Behinderungen. Insofern liegt eine gewisse Logik darin.

Warum ist Ihnen gerade dieses Thema besonders wichtig?
Weil ich da noch Defizite sehe, und an Defiziten sollte man arbeiten. Ich habe schon als Anwalt, als ich noch nicht Senator war, einen juristischen Beitrag veröffentlicht zur Frage der Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderungen. Wir haben in unserer Verfassung viele Diskriminierungsverbote, auch das gegen Behinderungen. Aber es geht eben nicht nur darum, dass man nicht benachteiligt wird. Eine Diskriminierung findet nach meinem Verfassungsverständnis nur dann nicht statt, wenn man auch Teilhabe hat.

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